Eine persönliche Geschichte über Wurzeln, Wandlung und die Liebesbeziehung zu einem Ort

Ich stehe in der Mitte meines Lebens – einer Zeit voller Veränderungen im Innen und im Außen. In dieser Zeit des inneren und äußeren Wandels habe ich ein Sabbatjahr für mich – Zeit zum Aussteigen aus der gewohnten Arbeitsroutine, aus dem Hamsterrad zwischen Familie und Job. Eine Zeit zur Reflexion darüber, wo ich jetzt in der Mitte meines Lebens stehe, was gehen darf oder gehen wird und was ich noch Leben möchte, in diesem so kostbaren Leben. Zum Anfang dieses Jahres hat es mich zurück zu meinen Wurzeln in die Ronscht gezogen. Das ist ein verwilderter, tief gelegener Hohlweg in Rheinhessen, den man durch einen Durchgang in der Hecke vom Grundstück meiner Vorfahren – Großeltern und nun Vater – aus erreicht. Es ist das Tor in eine verzauberte eigene wilde Welt inmitten der menschlich kontrollierten Kulturlandschaft Rheinhessens. Ein Ort, der einiges über Wildnis erzählen kann, wenn man sich Zeit zum Lauschen nimmt. Für mich ist es seit meiner Kindheit ein ganz besonderer Ort. Ein Ort mit dem mich eine besondere Liebesbeziehung verbindet. Heute vertiefe ich die Beziehung zu diesem Ort mit der Praxis der Naturachtsamkeit, mit Kernroutinen der Wildnispädagogik und der naturverbundenen Prozessbegleitung. So tauche ich in einen eigenen Dialog mit diesem Ort ein, indem ich mir selbst im Spiegel der Natur begegne, einen Ort zur Begegnung mit meinen Ahnen schaffe, alleine in meiner Laubhütte übernachte, ziellos herumstromere und die Fährten der Tiere lese.

Innehalten in der Mitte meines Lebens: Was will ich leben?

Bild: Alina Cara-Tobi, Instagram: @ich.lieb.dich.wildes.leben

Mein Sabbatjahr fällt in eine Wandlungsphase in der Mitte meines Lebens. Ich habe bereits einiges an Erfahrungen gesammelt und bin durch einige Wachstumsprozesse gegangen. Meine Kinder werden größer und die Intensität der Mutterrolle wird weniger. Ich spüre wieder mehr Raum für mich. Vieles verändert sich – in mir und in meinem Leben. In diesem Jahr kann ich dieser Wandlungsphase bewusst Raum geben. Ich habe die Gelegenheit in der Mitte meines Lebens Inne zu halten, um zu Schauen, was jetzt da ist, was nicht mehr ist und was wachsen möchte. Was für ein kostbares Geschenk in dieser schnelllebigen Zeit. In der äußeren Welt geht es für mich vor allem darum, meine Leidenschaft für Naturverbindung, Naturspiritualität, authentisches Menschsein, für authentische menschliche Verbindungen und Gemeinschaft zu leben und zu teilen. Im Inneren geht es um Selbstvertrauen, Sichtbarkeit, darum alte Selbstzweifel zu entkräften. Es ist wertvoll, wenn wir uns in unserem Leben bewusst kleinere oder größere Räume des Stillstands schaffen, um uns mit den Fragen des Lebens auseinanderzusetzen. Denn wir haben nur dieses eine wilde Leben. Vielleicht wird es immer wieder andere Antworten geben oder auch keine, oder solche, die wir uns nicht wünschen. Oft ist es wichtiger zu fragen und in die Fragen hineinzuleben (Rilke, Über die Geduld), als sofort klare und eindeutige Antworten zu finden.

Was will ich leben und lieben in diesem so unglaublich kostbaren Leben?

Was sind die nächsten Schritte auf meiner Lebensreise?

„Tell me, what is it you plan to do, with your one wild and precious life?“

Mary Oliver, A summer day

Zurück zum Anfang

Bild: Alina Cara-Tobi, Instagram: @ich.lieb.dich.wildes.leben

Um diesen Fragen Raum zu geben, bin ich zurück an den Anfang meines Lebens gegangen. Dorthin, wo ich herkomme. Zum Ort meiner Großeltern, meiner Kindheit. Es ist Anfang Dezember. Nach dem keltischen Jahreskreis fängt in dieser Zeit der tiefsten Dunkelheit im Verborgenen ein neuer Lebenszyklus an. Der Anfang liegt im Unbekannten. Im Nicht-Wissen. Ich komme, um zu spüren, was noch nicht sichtbar ist, was noch nicht in Worte und Bilder zu fassen ist. Begleitet werde ich heute und in diesem Jahr von Alina, die meine innere Reise bezeugt.

„Change will always happen, we cannot escape from change.
But how can we move forward with change
without detaching ourselves
from our roots?
How can we not forget where we came from?“

Maria Mutiara

Diese Frage beschäftigt mich. Wie kann ich Veränderung leben und gleichzeitig verwurzelt bleiben? Wie kann ich die Geschenke meiner Ahnen und meines Lebensweg nutzen in meiner Zukunft? Um in Kontakt mit dieser Frage zu kommen, gibt es keinen besseren Ort, als Wahlheim und die Wildnis in der Ronscht. Es ist eine Reise zurück zum Anfang meines Lebens und dem, was mich hier geprägt hat. Es gibt keinen anderen Ort auf der Welt, an dem soviel von mir ist, von dem ich so berührt werde und der mich so bekräftigt in meiner Liebe zum wilden Leben. Ich liebe diesen Ort innig, seit ich ein Kind bin. Ich fühle mich mit diesem Ort so verbunden – auch wenn wir beide uns über die vielen Jahre, immer wieder verändert haben. Es ist ein Ort voller Zauber und Kraft, voller alter Geschichten, voller Träume und neuer Möglichkeiten. Hier habe ich schon als Kind erfahren, dass ich Teil der Natur bin, alles um mich herum belebt ist und eine eigene Intelligenz und Seele hat. Es ist der Ort, an dem ich mit der Natur spreche und die Natur mit mir. Als Kind war es ein großes Abenteuer für mich, diese eigene kleine Wildnis-Welt zu erkunden. Es fühlte sich an wie eine Expedition in eine andere wilde Welt. Oft war es auch unheimlich in dieser Wildnis – etwas düster, undurchdringlich und man hörte immer wieder Geräusche von Tieren, ein Knacken, ein Knurren, ein Bellen der Rehe und Füchse.

Hohlweg – Archiv der Natur und der Generationen

Wie passend und bedeutungsvoll, dass dieser Ort ein alter Hohlweg ist. Hohlwege sind uralte Wege, die von Menschen jahrhundertelange genutzt wurden und sich tief in die Landschaft eingegraben haben. Viele Hohlwege sind Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende alt. Im Laufe der Zeit haben Menschen und Tiere den Boden immer weiter abgetragen. Bei Regen und Gewittern wurden sie zu natürlichen Wasserabflüssen, die Erde und Gestein wegspülten. Manche Hohlwege sind zu richtigen Schluchten geworden (Robert MacFarlane, Karte der Wildnis, Hohlwege). So liegt auch der tiefste Punkt der Ronschteinige Meter unterhalb der sie umgebenden Weinberge und Felder.

Wenn dieser Hohlweg ein Spiegel meiner inneren Seelenlandschaft ist,
was erzählt dieser Ort über mich?

Hohlwege respektieren anders als heutige Straßen die natürliche Topografie der Landschaft. Sie erkennen an, was da ist. Sie folgen dem Verlauf eines Tals oder dem Anstieg eines Hügels. Sie entstanden durch das Zusammenspiel von Mensch und Natur im Rahmen einer natürlichen und langsamen Entwicklung, durch ständige Wiederholung. Jeder Schritt trägt zur Entstehung bei – auch wenn das erst viel später sichtbar wird. Der Weg verbindet sich mit der Landschaft. Ganz im Gegensatz dazu werden heutige Wege und Straßen gewaltsam, meist dem direktesten Weg folgend, in die Landschaft gegraben oder gesprengt (Robert MacFarlane, Karte der Wildnis, Hohlwege).

Diese Art von Entwicklung und Wachstum fühlt sich auch für mich gut und natürlich an. Ich bin überwiegend im Frieden mit dem, was war und dem, was ist. Natürlich waren auch schmerzhafte Erfahrungen dabei und aus meiner Perspektive heute würde ich vielleicht das eine oder andere anders machen. Ich kann aber zutiefst anerkennen, dass dies zu meiner Entwicklung und meinem Lebensweg dazugehört. Ich bin ein Wesen wie jedes andere, dass in Beziehungen zu Menschen und anderen Lebewesen, in einer bestimmten Zeit und bestimmten Gesellschaft in die Welt gekommen ist. Das hat Spuren in mir hinterlassen – wie in einem Hohlweg. Und genauso hinterlasse ich Schritt für Schritt in meiner Lebensumwelt meine Spuren – zusammen mit vielen anderen Menschen, Lebewesen, Erden, Gestein, Wind, Wasser und Sonne.

„Jedes Lebewesen erfährt im Laufe seines Lebens vorübergehende oder bleibende Veränderungen als Folge von Weiterentwicklung, Schutz oder Erneuerung. (…) Die Natur zeigt uns, dass wir heute weder so sind, wie wir gestern waren, noch wie wir morgen sein werden. Im Zauber des Wandels liegt die Kraft, das Wesentliche zu erhalten und die Identität zu waren.“

Pablo Salvaje, Vom Leben der Tiere

Hohlweg – Wildnis ist überall zu finden

Bild: Alina Cara-Tobi, Instagram: @ich.lieb.dich.wildes.leben

Manchmal fühle ich mich wie dieser Hohlweg. Es ist eine eigene wilde Welt hier unten in der Ronscht – manchmal undurchdringlich, voller Tierspuren. Mitten in der „gezähmten“ und von Menschen bis ins letzte kontrollierten Kulturlandschaft Rheinhessens mit seinen Weinbergen und Feldern, hat sich in den Hohlwegen eine fast vergessene eigenwillige Wildnis entwickelt. Hohlwege sind mit ihrer schluchtartigen Topologie für die moderne Leistungs- und Konsumgesellschaft und die industrialisierte Landwirtschaft nutzlose Zwischenräume. Wir müssen nicht in ferne Länder reisen, um Wildnis zu begegnen. Wildnis gibt es auch in den Zwischenräumen der noch so gezähmtesten Kulturlandschaft, entlang der Autobahnen und sogar in Städten. Lange hat es mich in die Ferne gezogen, wo ich unberührte Natur, Abenteuer und neue Eindrücke gesucht habe. Heute weiß ich, dass die Wildnis auch in meiner Nähe, an bekannten Orten und in mir selbst und in anderen ist. Wildnis ist überall zu finden. Manchmal können wir sie nicht sehen, weil wir etwas anderes erwarten, ein anderes Bild von Wildnis haben. Wildnis findet immer einen Raum, in dem sie sich entfalten kann. Unter den scheinbar unmöglichsten Bedingungen findet Wildnis ihren ganz eigenen Weg. Unstoppable. Die Ronscht lädt mich ein, die versteckten wilden Zwischen-Räume in bekannten Landschaften und meine eigenen inneren Wildnisgebiet zu entdecken. Sie lädt mich dazu ein, inmitten all des gesellschaftlichen Konformitätsdruck meine eigene innere Wildnis zu bewahren und zu kultivieren. Wild sein heißt für mich authentisch sein und das leben, was ausgedrückt werden möchte. Ohne Angst vor eigenen und fremden Bewertungen.

Abschied vom heiligen Baum – das Herz des Stammes

Bilder: Alina Cara-Tobi, Instagram: @ich.lieb.dich.wildes.leben

Alina hat mich dazu angeregt einen Ahnenaltar zu bauen. Ein solcher Platz zur Begegnung mit den Ahnen, mit etwas, dass über mein „Ich“ hinausgeht, bedeutet mir viel. Mein alter Ahnen-Platz, der riesige alte Walnussbaum mit seinen vielen Stämmen, zerfällt immer mehr. Von den Stämmen des Baumes, die mich an mächtige Köpfe erinnern, sind nicht mehr viele übrig. Doch bevor ein neuer Ahnen-Altar gebaut werden kann, muss der alte heilige Baum gewürdigt und verabschiedet werden. Ich bin traurig über sein Sterben, seinen Zerfall und sein Verschwinden. Und gleichzeitig fühle ich tröstlich, dass das Teil des natürlichen Zyklus von Entstehen und Vergehen und Vergehen und Entstehen ist. Nur wenn etwas Altes geht, kann etwas Neues entstehen. Ich klettere von oben vorsichtig in dieses alte, gleichzeitig mächtige und gebrechliche Wesen, in den Haupt-Stamm.

Ahnen
Unsere Vorfahren sind unser Stamm.
Sie haben den Weg bereitet für unsere Ankunft und unser Leben. Ist die Verbindung zu ihnen ungetrübt, fühlen wir uns geborgen, genährt und bestärkt darin, wir selbst zu sein und unsere Talente und Fähigkeiten zu leben.
Sie sind wie eine warme Decke, die uns umgibt
und die uns das Vertrauen schenkt, das Abenteuer Leben zu leben.

Allgäuer Kräuterwerkstatt, Kraft der Bäume, Wacholder
Bild: Alina Cara-Tobi, Instagram: @ich.lieb.dich.wildes.leben

Der Stamm des heiligen Walnussbaums steht für meine Ahnen. Er ist so groß und mächtig und nimmt mich ganz in sich auf – in sein Inneres. Für einen Moment werde ich ein Teil von ihm. Ich bin sein Herz. Gleichzeitig finde ich Schutz und werde von ihm gehalten. Unter der dicken weißen Walnussrinde, die ich so sehr liebe, weil sie wie aus einer anderen Welt wirkt, hat sich ganz viel schwarze Erde gebildet. Ich spüre mit meinen Fingern in die Erde. Sie ist ganz fein. Was ist das für ein Wunder! Mein heiliger Ahnenbaum wird Nährboden für neues Leben und Wachstum. Ich nehme etwas von dieser Erde, um damit auf der Karte meiner inneren Wildnis diesen Ort meiner Ahnen einzuzeichnen. Hier in der Ronscht liegt der Ursprung für meine Naturspiritualität. Hier habe ich das Gefühl in etwas aufzugehen, das größer ist als ich. Diese Ahnenlinie darf ich fortführen.

Bild: Alina Cara-Tobi, Instagram: @ich.lieb.dich.wildes.leben

„Sometimes healing is simply returning to what has always cared for us.“

Unbekannt

Der entblätterte Ahnenbaum – Was ist die Geschichte meiner Ahnen und was ist meine?

Bild: Alina Cara-Tobi, Instagram: @ich.lieb.dich.wildes.leben

Zum Abschluss schenkt mir der heilige Ahnenbaum riesige weiße Rindenstücke für den neuen Ahnenaltar. Was für ein großes Geschenk. Der alte Ahnenbaum entblättert sich, zeigt sein Inneres, macht sich nackt. Dieses Bild vom entblätterten Baum regt mich an, dass ich mir in der Mitte meines Lebens nochmal bewusst machen und erforschen möchte, was mein Stamm und meine Wurzeln sind. Was ist das Erbe meiner Ahnen und was sind übernommene und für mich nicht mehr dienliche Gedanken- und Verhaltensmuster.

„Als Kind orientieren wir uns an dem, was (unsere Ahnen) denken, wie sie fühlen und handeln. Sie sind fast wie eine göttliche Instanz für uns.
Wir lauschen ihrem Klang und denken irgendwann, dass es unser eigener ist. Wir verinnerlichen das, was sie uns widerspiegeln. Dabei haben sie oft mit ihren übernommenen Mustern und Prägungen auf uns geschaut und nicht
erkannt, wie und wer wir wirklich sind. Ebenso wie es ihnen als Kind ergangen ist. Deshalb konnten sie uns vielleicht nicht immer das schenken, was wir so dringend gebraucht hätten. (…)
Ohne dass wir es bemerken, leben damit wir „ihr“ Erbe weiter.
Ihre Geschichte ist immer auch Teil unserer Geschichte, ob wir es wollen oder nicht. (…) Wie unter den vielen Kerben und Unregelmäßigkeiten (des Wacholderstammes) eine wunderschöne Maserung und ein fester Kern liegen, erkennen auch wir, wie und wer wir wirklich sind.“

Allgäuer Kräuterwerkstatt, Kraft der Bäume, Wacholder
Bild: Alina Cara-Tobi, Instagram: @ich.lieb.dich.wildes.leben

Ich spüre, dass auch ich geprägt bin von den Spuren, Ängsten und Erwartungen meiner Ahnen – wie die Hohlwege von den Füßen von Generationen geformt wurden. Manchmal ist mir nicht klar, was an Überzeugungen und Vorstellungen von mir und was von meinen Ahnen ist.

Welche Spuren, Ängste und Erwartungen sind von meinen Ahnen
und wovon möchte ich mich frei machen?

Die Rinde des heiligen Walnussbaums steht für Schutz. Wir alle legen uns meist im Laufe unseres Lebens eine Schutzrinde zu. Das ist sehr gesund und eine intelligente Überlebensstrategie. Die Rinde deckt aber auch ab, was darunter ist, welcher Kern, welches Gold. Es gibt eine bekannte Geschichte von einem goldenen Buddha in Bangkok. Der war jahrhundertelang mit einer Lehmschicht überzogen. Vermutlich sollte diese Schutzschicht den goldenen Buddha vor Dieben schützen. Irgendwann bekam die Lehmschicht Risse und das Gold darunter blitzte vor. Die Geschichte kann uns dazu ermutigen, unserem inneren Gold – dem zutiefst Guten und Schönen in uns – zu vertrauen und uns mit unserer menschlichen Verletzlichkeit zu zeigen. Gleichzeitig darf ich anerkennen, dass wir Schutz und Begrenzungen vor schädlichen Einflüssen in unserer Welt manchmal einfach brauchen. Der von Buddha gelehrte mittlere Weg kann bedeuten, dem Gold zu vertrauen und mich dem Schutz der Rinde anvertrauen, da wo ich es brauche.

Wandel – ein neuer Ahnenaltar darf wachsen

Bild: Alina Cara-Tobi, Instagram: @ich.lieb.dich.wildes.leben

Schon vor längerer Zeit habe ich gewusst, dass es einen neuen Platz zur Begegnung und Würdigung meiner Ahnen braucht. Es war erst nicht leicht, den richtigen Ort zu finden. Es sollte die Fläche zwischen dem alten Ahnenbaum und meiner Laubhütte sein. Das habe ich deutlich gespürt. Ich habe dort zunächst nach einer Stelle gesucht, die meinen Erwartungen von einem heiligen Ort gerecht wird – ein großer Baum oder ein Steinaltar, irgendetwas Deutliches, Kraftvolles. Gefunden habe ich einen jungen dünnen Ahornbaum. Das war nicht das, was ich mir zuerst vorgestellt habe. Es hat sich aber richtig angefühlt und ich bin ins Tun und kreative Schaffen gekommen. Aus Sandsteinen und den mächtigen Walnussrindenteilen des alten Ahnenbaumes habe ich einen wunderschönen Altar gebaut.

Bild: Alina Cara-Tobi, Instagram: @ich.lieb.dich.wildes.leben

Das Alte darf geehrt, neu gestaltet werden und einen neuen Platz haben – auch in meinem Leben. Das kräftige Rot der Gebetsfahne steht für die Liebe zum Leben und den Mohn, der mit diesem Ort und meinem Leben so eng verwoben ist. Das Blattgold steht für das Gute, Schöne und Heilige im Leben, an das ich fest glaube. Mir wird mir immer klarer, dass der neue Ahnenaltar ein richtig gutes Bild für meinen Wandlungsprozess in meiner Lebensmitte ist. Dieser Ort ist noch leer. Er steckt voller Möglichkeiten und Nicht-Wissen. Es ist klar, dass hier noch Entwicklung und Wachstum passieren darf. ICH bin es, die diesen Ort mit Bedeutung füllen, gestalten und verändern darf – immer wieder und bis zu meinem Lebensende. Der neue Ahnenalter steht für mein inneres Wachstum über all die Jahre, das ich nun auch im Außen sichtbar machen und wirken lassen möchte. Es soll ein Bild und Ort sein, an dem ich Licht und Schatten meiner Ahnen würdigen und als Teile von mir integrieren kann. An dem ich mich verwurzeln kann, um Kraft zum Weiter-Wachsen zu finden. Ich darf mich daran erinnern, dass meine Ahnen in mir ihre Spuren und Gaben hinterlassen haben und auch dass ich mich frei von ihren Geschichten machen kann.

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Der Wacholder – Ahnenkraft und Neuanfang
Wie ein Adler schwingen wir uns in die Lüfte und sehen unser eigenes Land vielleicht das erste Mal. Darin haben auch unsere Ahnen ihren festen Platz.
Auch sie warten darauf, frei zu sein und uns aus den alten Seelenverträgen zu entlassen, damit wir bereit für die wahren Geschenke unserer Herkunft sind:
All das Wissen, die Talente und schönen Erinnerungen, die sie uns mitgegeben haben. Daraus zu
schöpfen ist unser Auftrag. So kehrt Wärme und Frieden ein und wir können uns wieder bewusst mit unseren Wurzeln und Traditionen verbinden. Dann werden unsere Ahnen wie eine starke Kraft in unserem Rücken sein, die uns im Leben Halt schenkt und den Mut, jetzt mit unserem Licht die Ahnenlinie anzuführen.“

Allgäuer Kräuterwerkstatt, Kraft der Bäume, Wacholder

Ich habe meine Ahnen am neuen wunderschönen Altar geehrt und sie um Unterstützung gebeten. Ich habe mit Wacholder geräuchert, die Ahnenkraft gewürdigt UND die Kraft des Neubeginns und den Glauben an meinen eigenen Lebensweg aufsteigen lassen. In diesem Moment spüre ich die Gegenwart meiner Ahnen, fühle mich geliebt und gehalten. Ich bin dankbar für ihr Geschenk – die Liebe in mir zum wilden Leben und zu allen Wesenheiten, Lebewesen, Elementen, Steinen und Erden, für die Lebensfreude und den Lebensmut, der mich durch schwierige Situationen und Gefühlslagen bringt. Ich habe immer wieder Zweifel und Ängste. Ich spüre, dass sind nicht alles meine eigenen. Und trotz Ängsten und Zweifeln bin ich bereit, mich zu zeigen – mit all dem, was da ist!

Solonacht in meiner Laubhütte

Bild: Alina Cara-Tobi, Instagram: @ich.lieb.dich.wildes.leben

Das dritte Jahr in Folge schlafe ich in den Rauhnächten schlafe nun in meiner Laubhütte, hier draußen auf diesem kleinen Wildnisgelände in der Ronscht. Immer tiefer spüre ich, wie besonders dieser Ort für mich ist. Ein Ort, an dem ich mich verwurzeln kann, um Kraft zum Wachsen zu finden. 

Innere Widerstände und warum ich es trotzdem mache

Es ist kalt – um die Null Grad. Wie jedes Mal vor meiner Solo-Nacht bemerke ich innere Widerstände. Eine Stimme in mir erzählt mir, dass es doch viel bequemer und gemütlicher wäre, im Warmen, Drinnen mit meiner Familie zu sitzen. Warum mache ich das eigentlich immer wieder? Was ist mein Warum?

„Jede Berührung hinterlässt eine Spur.“

Edmond Locard

Jedes Mal, wenn ich hier draußen bin, werde ich in meinem tiefsten Inneren berührt. Von diesem Ort, vom Leben. Jede Nacht alleine draußen – nur mit mir in der Dunkelheit der Winternacht – bringt mich näher zu mir. Wurzeln wachsen im Schutz der Dunkelheit – nicht im Licht. Jede Nacht hier draußen lässt mehr Liebe in mir wachsen – zu mir, zu diesem Ort und all seinen Lebewesen. Es ist eine Liebe, die alles durchdringt und alles ausfüllt. Mit der Liebe für diesen Ort wächst gleichzeitig die Liebe zu allem anderen – zu dieser wilden Welt und diesem wilden Leben. Mit allem, was dazu gehört – dem Licht und der Dunkelheit. Dem Mut und der Angst. Mit jedem Mal, dem ich mich der Angst stelle, kann ich einen Schritt weiter gehen. Die Grenze meiner Komfort-Zone verschiebt sich Schritt für Schritt. Vertrauen entsteht. Wurzeln wachsen und geben Kraft, um den nächsten Schritt zu wagen. Ja, darum mache ich das immer wieder!

Eine Liebesbeziehung zu einem Ort

Bild: Alina Cara-Tobi, Instagram: @ich.lieb.dich.wildes.leben

Ich bereite mich auf die Nacht vor und bessere meine Laubhütte aus. Es ist ein wunderschöner klarer und kalter Wintertag mit strahlendem Sonnenschein. Ich entferne störende Äste aus dem Trapperbett und polstere das Innere der Hütte mit Laub aus. Dieses Jahr ist es schwer Laub zu finden. Immer wieder bin ich fasziniert von den Survival-Fähigkeiten, die in uns „modernen“ Menschen immer noch stecken. Survivalfähigkeiten zu üben ist eine der Kernroutinen der Widlnispädagogik. Survival heute zu praktizieren ist eine gute Art, um sich mit einem Ort vertraut zu machen – in und von der Natur leben. Nach und nach weiß ich, wo sich das Laub gesammelt hat und an welchen Stellen im Gelände ich suchen muss, um meine Laubhütte für die kalte Winternacht gut auszupolstern. Fast unbemerkt wächst dadurch meine Verbindung zu diesem Ort, den ich bis ins Kleinste immer besser kenne. Tiefe Liebe und Verbindung entsteht durch Vertrautheit. Mach dich vertraut mit allen Dingen!

„Be intimate with all things“

Zen-Weisheit, zitiert nach Tara Brach

Je mehr Laub in der Hütte ist, umso wärmer wird es in der Nacht. Das ist der Schlafsack-Effekt einer Laubhütte. Prioritäten zu setzen ist enorm wichtig für das Leben draußen. Die Stunden bis Sonnenuntergang sind begrenzt. Die Nacht soll kalt, aber trocken werden. Deswegen bessere ich meine Hütte zuerst Innen und dann erst außen aus. Mein alter Vater mit seinen über 70 Jahren hilft mir mit seiner Machete. Er löst Baumrinde von toten Bäumen als Abdeckung für meine Hütte. Es berührt mich – sein auch im Alter nicht schwächer werdender Lebenswille. Er hat sich nie davon abhalten lassen seine Lebensfreude auszudrücken und Sachen gemacht, die andere schräg und komisch finden. Auf diesem kleinen Stück Wildnis haben wir eine ganz besondere Verbindung – über das Land, auf dem wir beide aufgewachsen sind, dem wir uns so verbunden fühlen und das wir beide so sehr lieben.

Im Spiegel der Natur

Bild: Alina Cara-Tobi, Instagram: @ich.lieb.dich.wildes.leben

Als die Hütte ausgebessert ist, stromere ich durch das Wildnisstück. Heute sehe ich überall Zeichen – Bögen, Tore, Wurzeln. Die Natur und ihre Lebewesen können ein Spiegel für unsere inneren Prozesse sein. Wir sehen die Welt durch die Brille unserer subjektiven Wahrnehmung. Wir können nicht alle der Millionen von Reizen in unserer Umgebung bewusst aufnehmen. Unser Gehirn filtert daher unbewusst das heraus, was für uns relevant ist. Daher können wir davon ausgehen, dass wir die Welt nicht so sehen wie sie ist, sondern so, wie wir sind (kabalistische Weisheit). Sich selbst im Spiegel der Natur zu begegnen ist ein sehr tiefgreifendes Instrument der naturverbunden Prozessbegleitung, um sich mit den eigenen Lebensfragen und Prozessen auseinanderzusetzen.

Herumstromern und sich mit dem Ort vertraut machen

Bild: Alina Cara-Tobi, Instagram: @ich.lieb.dich.wildes.leben

Das Herumstromern ist eine der Kernroutinen der Wildnispädagogik für mehr Naturverbindung und eine Praxis der Achtsamkeit. Es bedeutet sich ohne Ziel und Absicht durch die Natur zu bewegen und sich intuitiv dahinziehen zu lassen, was die Aufmerksamkeit gerade erregt. Dies entspricht der buddhistischen Praxis des offenen Gewahrsein – das wahrnehmen, was sich jetzt gerade zeigt. Herumzustromern ist für mich eine Form, um einen Ort zu begrüßen und mich mit ihm vertraut zu machen. Ich führe eine Art Unterhaltung mit dem Ort und seinen Lebewesen. Die belebte und unbelebte Welt kommuniziert ununterbrochen auf ihre eigene kreative Art miteinander. Vieles davon ist für uns Menschen erstmal nicht sichtbar und verständlich. Was unsere Vorfahren vermutlich gespürt haben, lernen wir durch die Wissenschaften heute mehr und mehr. Das bedeutet auch, dass wir unser kulturelles Verständnis von Bäumen, Pflanzen und anderen Lebewesen ändern müssen. Heute weiß man beispielsweise, dass Bäume auf verschiedenste Art miteinander kommunizieren – über Duftstoffe in der Luft, Wurzeln oder Pilznetzwerke. Selbst Steine, Wasser und Erde kommunizieren auf ihre eigene intelligente Weise mit ihrer Umwelt. Wir sprechen zwar nicht dieselbe Sprache. Aber es lohnt sich zuzuhören, welche Geschichten ein Ort und seine Bewohner uns erzählen können. Dabei sollten wir uns bewusst sein, dass wir die Welt aus unserer subjektiven menschlichen Perspektive wahrnehmen. Ebenso können wir davon ausgehen, dass ein Ort und seine Bewohner uns und unsere Handlungen auf ihre jeweils eigene Weise wahrnehmen. So können wir Freundschaften schließen, im Vertrauen darauf, dass der Ort und seine Bewohner auch uns zuhört und auf eine eigene Art versteht. Was dann entsteht ist das Gefühl des Eingebundenseins in etwas Größeres, in das Netz des Lebens mit all seinen belebten und unbelebten Wesenheiten.

Spurenlesen – einem Ort zuhören

„Mit wachsendem Bewusstsein dessen, was in der Natur wirklich geschieht, beginnen wir, unzählige Dinge zu erfassen und zu begreifen, die wir bisher nicht einmal wahrgenommen haben.“

Hugh Falkus

Ich stoße auf ganz viele Tierspuren – vor allem Trittsiegel und Reviermarken von Rehen, Rupfspuren und einen Eichhörnchenschädel. Ich liebe das Spurenlesen. Es ist eine wunderschöne Art, um Ort und Lebewesen besser kennenzulernen. Es ist als ob man dem Ort zuhört und versucht seine Sprache zu verstehen, seinen Geschichten zu lauschen. Wenn man genau hinschaut, tauchen immer mehr Fragen. Wer lebt hier? Wo schläft das Lebewesen? Mit wem lebt es zusammen? Was hat es hier gemacht? Was ist passiert? Wann war das? Wem ist das Lebewesen begegnet? Wo ist es jetzt?

Auffällig sind diesmal jede Menge Rupfspuren. Sie sind über das ganze Gelände verstreut. Da sind einmal grau-weiße und bräunliche Federn von einem kleinen Singvogel, vielleicht einem Fink. Direkt am heiligen Baum. Teilweise hat die Rupfung auf einem Felsen stattgefunden. Raubvögel wie Falke, Sperber oder Habicht rupfen ihre Beute häufig erhöht auf Felsen oder Baumstümpfen, um nicht überrascht zu werden.

Eine weitere Rupfung zieht sich über eine weite Strecke von über 50 Metern über das ganze Gelände. Die weichen weißen oder braunen Haare könnten von einem Kaninchen stammen, dass von einem Fuchs gefressen wurde. Füchse verschleppen ihre Beute häufig über weitere Strecken, essen immer wieder und verstecken die Reste.

Kaninchen werden in vielen Kulturen mit dem Mond in Verbindung gebracht. Sie symbolisieren den zyklischen Charakter des Lebens, den immer wiederkehrenden Kreislauf von Leben und Sterben, Licht und Dunkelheit. Wie der Mond jeden Monat Beute der Dunkelheit wird, um danach wieder in vollem Glanz zu strahlen, werden Kaninchen die Beute von Greifvögeln und Füchsen, was ihre fruchtbare Vermehrung nicht zum Stillstand bringt. Der Fuchs hat in vielen alten Geschichten die Rolle des Tricksters, der uns durch Veränderungsprozesse zu mehr Ganzheit führen kann, als Vermittler zwischen dem wilden Wald und Kulturräumen, zwischen unkonventioneller und intuitiver Intelligenz und kollektiven Normen. Er kann uns über Pfade führen, die zunächst nicht sichtbar sind (Das Buch der Symbole, Kaninchen und Fuchs).

Dem Fuchs begegne ich hier in der Ronscht immer wieder – ich sehe ihn und höre sein Bellen. Dieses Mal finde ich seine Fraßspuren – überall. Ich folge ihnen und lasse mich führen – im Vertrauen darauf, dass Veränderung immer stattfindet und nach dem Sterben, etwas Neues entsteht. Auch wenn ich den genauen Weg jetzt noch nicht sehen kann, darf ich darauf vertrauen, dass ich geführt werde. 

„As you start to walk on the way, 
the way appears. 
Clarity doesn’t come before action. 
It comes from action.“

Rumi

Ahnenaltar – Vertrautheit und Vertrauen in der Dunkelheit

Nachdem meine Laubhütte fertig ist, baue ich weiter an dem Ahnenalter. Ich sammle von den alten Lösssteinen, die auf sich aus dem Hang gelöst haben – wälze und ziehe sie zum Ahnenaltar. Vor meinem inneren Augen wird es konkreter. Ich möchte einen Steinalter bauen. Er soll aus dem Material sein, was ich hier an diesem Ort finde. Ich möchte dem Ort und dem woraus er besteht zuhören. Die Steine, die Rinde und die Erde, sie alle können mir etwas über diesen Ort erzählen. So entsteht ein Dialog mit diesem Ort. Der Prozess wird Zeit brauchen und ich Geduld. Das fällt mir nicht immer leicht. Gleichzeitig genieße ich im kreativen Prozess das innere Kribbeln, wenn noch nicht ganz klar ist, was entstehen wird und in welcher Form sich mein Inneres ausdrücken wird. 

In der Dunkelheit der Nacht ist die Wacholder-Ahnen-Kerze von Weitem sichtbar. Der Halbmond scheint hell in der sternklaren Winternacht und wirft lange Schatten durch die efeubewachsenen Baumgestalten. Ich entzünde ein Feuer mit Birkenrinde und Feuerstahl. Wieder spüre ich die alte Tierseele in mir. Diese uralten Instinkte verbinden mich mit unseren Ahnen, die als Affen und später Jäger- und Sammler in der Natur gelebt haben. In dieser Nacht habe ich nicht mehr soviel Angst wie in meinen ersten beiden Solo-Nächten, aber ich spüre eine starke Wachsamkeit in meinem Nervensystem. Meine Wahrnehmung ist extrem geschärft. Jedes Geräusch, jedes Knacken und Rascheln erregt meine Aufmerksamkeit. Ich verstehe, wie unsere Vorfahren in solchen Dunkelnächten Begegnungen mit Geistern und märchenhaften Wesen erlebten und weitererzählten. Alleine in der Dunkelheit einer kalten Winternacht verschwimmen tatsächlich die Grenzen zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Das Spüren und die Phantasie werden stärker. In der Dunkelheit wird deutlich, dass unsere rationale und wissenschaftsorientierte Wahrnehmung von der Welt blinde Flecken hat. Es wird erfahrbar, dass es mehr gibt, als das, was wir Menschen mit unserer begrenzten Wahrnehmung wissen und erfassen können. Die Erfahrung der Nacht als Schwellen- und Resonanzraum war bereits in der deutschen Romantik häufig thematisiert worden. Die Nacht ist ein Symbol für das Unbekannte, für das Nicht-Wissen und nicht sichtbare. Draußen in der Nacht wird das spürbar.

In dieser Nacht kann ich wieder spüren, welche Sicherheit ein Feuer und ein Kerzen-Licht in der Dunkelheit gibt. Für unsere Vorfahren war es alleine – ohne die Gemeinschaft und draußen in der dunklen Winternacht sehr gefährlich. Ein Feuer konnte den Unterschied machen, Wärme und Schutz bieten. Diese alten Erfahrungen stecken tief in uns Menschen. Das fühle ich. Am Feuer beruhigt sich mein Nervensystem direkt. Immer wenn ich in der Nacht aufwache sehe ich den Schein der Kerze am Ahnenaltar. Das Licht beruhigt und berührt mich zutiefst. Ich fühle mich geborgen und sicher. Die Nacht verläuft ruhig und ohne Angst. Wie erstaunlich, wenn ich auf die letzten beiden Solo-Nächte zurückblicke, wo ich viel mit Angst konfrontiert war. Und doch ist es auch wieder nicht überraschend. Mit jedem Stromern auf dem Gelände, dem Bau des Ahnenaltars werde ich heimischer und heimischer an diesem Ort. Das gibt Sicherheit. Und es lohnt sich so sehr, Dinge, die einem schwer fallen, wieder und wieder zu machen. Vertrauen entsteht durch Erfahrung, dadurch, dass wir uns mit etwas vertraut machen.

Mit der Dämmerung und Morgenröte entsteht direkt eine ganz andere Stimmung. Die „Geister“ der Nacht sind nun verschwunden. Morgens stromere ich ausgiebig durchs Gelände. Diesmal zieht es mich auf die erhöhte Ebene, einen alten verwilderten und überwucherten Weg. Der Weg selbst ist nur schwer begehbar. Immer wieder muss man wie auf einer Expedition durch das Dickicht kriechen und sich seinen Weg bahnen. Von hier oben hat man eine wunderschöne Übersicht über den tiefer gelegenen verwilderten Weinberg mit meiner gut versteckten Laubütte, dem rauchenden Feuer,  den Ahnenalter mit der leuchtend roten Girlande und den noch tiefer gelegenen Hohlweg dahinter. Ich habe das Gefühl einen Teil meiner inneren Landschaft von oben zu sehen. Ich bin voller Klarheit und Übersicht. In meinem inneren Land haben auch meine Ahnen ihren festen Platz.

Ich nehme Abschied von diesem wilden Ort mit seinen Baumgestalten, dem schlingenden und umarmenden Efeu, dem Frost auf dem Moos. Auf dem Rückweg finde ich drei Eulenfedern. Wie passend, dass die Eule mit ihrer außergewöhnlich guten Wahrnehmung bei Nacht und ihrem lautlosen Flug als nächtliche Jägerin in vielen Regionen der Welt als Bote des Todes und Zeichen für bevorstehende Veränderung gilt. Die Schamanen Sibiriens und der Inuit schmücken sich mit Eulenfedern, um von der Eule machtvolle Unterstützung und Orientierung auf ihrem gefährlichen Weg in die nicht sichtbare Geisterwelt zu erhalten. Das macht deutlich, um was es geht, nämlich uns auf unserem Lebensweg immer wieder für den fortlaufenden Wandel im Leben und in uns selbst zu öffnen und zu spüren was da ist. Die Buddhisten nennen diese beiden Grundprinzipien des Lebens anicca und anatta. Im Gründe besagen diese beiden grundlegenden Einsichten in das Leben nach meinem Verständnis, dass nichts gleich bleibt und sich permanent verändert (anicca), auch ich selbst (anatta).

„Der Jahreswechsel lädt uns ein, still zu werden. 
Nicht um uns neu zu erfinden, sondern um wahrzunehmen, was in uns aufbricht, 
was gehört werden möchte, was Form sucht. 
Übergänge erinnern uns daran, dass wir nicht alles wissen müssen. 
Das Orientierung nicht von außen kommt, sondern aus der Fähigkeit, uns selbst inmitten des Wandels zu spüren.“

Eschwege Institut
Quellen:
Robert MacFarlane: Karte der Wildnis, Kapitel "Hohlwege"; Peter Wohlleben: Das geheime Leben der Bäume; Jon Young/Ellen Haas/Ewan McGown: Der Coyote-Guide, Grundlagen der Wildnispädagogik; Deborah Eden Tull: Luminous Darkness; The Archive for research in archetypal symbolism: Das Buch der Symbole, Betrachtungen zu archetypischen Bildern; Mircea Eliade: Schamanismus und archaische Ekstasetechnik.

Frühjahrs-Gleiche – Ostara: Gleichgewicht und Neubeginn

Sonnenaufgang

Die Sonne geht im Osten auf, und wir erwachen aus unseren Träumen der Nacht.

Sabine Simeoni

Den Träumen, Visionen und Plänen des Winters. Die Zeit des Rückzugs und der Innenschau geht dem Ende zu. Wir stehen auf und ein neuer Tag beginnt. Die Frühjahrs-Tag und Nacht-Gleiche markiert den kalendarischen Frühlingsbeginn. Der alte Name des März ist Frühlingsmond oder Lenz, das den Wortstamm Länge in sich trägt und auf die länger werdenden Tage Bezug nimmt. Die Kelten und Germanen feierten das Erwachen der Erde mit ausgelassenen Festen und Fruchtbarkeitsriten. Viele Bräuche besonders rund um Ostern haben bis heute überdauert.

Die Göttin Ostara und das Osterfest

Festlichkeiten und Bräuche zum Frühjahrsbeginn und der Rückkehr des Lebens haben sehr alte Wurzeln. Die christliche Kirche hat dieses Thema in der Natur und die uralte Symbolik mit dem christlichen Osterfest und der Geschichte der Auferstehung aus dem Reich des Todes aufgegriffen.

Der Name Ostern kann auf die germanische Göttin Ostara oder Eostre zurückgeführt werden. Ostara oder Ostern ist sprachlich außerdem verwandt mit der Himmelsrichtung Osten, dem Ort des Sonnenaufgangs. Ostara war die Göttin der Morgenröte, die als junge, weiße Göttin die Energie des Aufbruchs und Lebens verkörpert. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um einen Beinamen der germanischen Göttin Freya handelt – Ostara also eine Verkörperung der Fruchtbarkeitsgöttin Freya ist. Diese Frühlingsgöttin fährt mit ihrem Wagen – gezogen von Hasen – durch das Land, fängt die warmen Sonnenstrahlen ein und erweckt die Erde zu neuem Leben. Es gibt zudem noch ältere Bezüge zu einer indoeuropäischen Göttin der Morgenröte, wie der indischen Usha, der griechischen Eos oder der römischen Aurora.

Am Sonntag nach dem ersten Vollmond nach der Frühjahrs-Gleiche wird das christliche Osterfest gefeiert. Mit dem Osterfest endet die 40-tägige Fastenzeit. Die Fastenzeit fällt in eine Zeit, in der sich früher die Wintervorräte dem Ende zuneigten und in der Natur nur wenig an Nahrung zu finden ist. Ostern ist das Fest des Todes und der Auferstehung. Thematisch sind damit die gleichen Themen angesprochen, wie bei den vorchristlichen Geschichten und Bräuchen zur Frühjahrs-Gleiche. Ende und Neubeginn, Wiedererstarken des Lichts nach der Dunkelheit. Und es geht auch um tiefe Zuversicht und Staunen. Das Wunder des Lebens wird aus dem Tod, aus dem Winter, der Nacht, dem Verborgenen geboren. 

Alte Osterbräuche

Viele Osterbräuche ranken sich um das Erwachen des neuen Lebens aus der Dunkelheit und haben vorchristliche Ursprünge.

So ist das Ei ein uraltes Symbol für die Urquelle des Lebens, das im Dunkeln, im Verborgenen entsteht und ins Licht geboren wird. Der Brauch, Eier zu bemalen, ist ebenfalls uralt. Meist wurden die Eier rot als Zeichen der Erde, des Lebens und der Freude, gefärbt. 

Der Oster-Hase mit seinen vielen Nachkommen und seiner großen Fruchtbarkeit wurde als heiliges Tier der Frühlingsgöttin Ostara bzw. Freya verehrt. Er zog ihren Wagen, mit dem sie über das Land zog und die Erde zu neuem Leben erweckte. In den Kulturen des Nahen Ostens hatte der Hase, der als eng verbunden mit dem Mond und seinen Kräften angesehen wurde, als Mondhase ebenfalls kultische Bedeutung. Zum Fest der Freya im Frühling wurden ihr Hasen geopfert und dienten als aphrodisische Opferspeise. Der Osterbraten ist auch heute nicht ein traditionelles Festtagsgericht zu Ostern.

In Süddeutschland wird zu Ostern aus sieben grünen Zweigen – Buchs, Eibe, Sadebaum, Thuja, Tanne, Fichte, Weidenkätzchen und Buche – ein Kranz gebunden und an einem Holunderkreuz auf einem Haselnussstock befestigt. Das vierspeichige Radkreuz wird mit bunten Ostereiern geschmückt. In der Kirche wird das Gebinde gesegnet. Im Anschluß wird es häufig am Gartentor aufgestellt, um die Bewohner des Hauses vor bösen Kräften zu schützen. Dieser Brauch geht schon auf die vorkeltische Bauernkultur zurück, die im Frühling Radkreuze mit grünen Pflanzen als Flursegen sonnenläufig um die Felder trugen.

Bei den Kelten und Germanen hatten Festlichkeiten zum Zeitpunkt der Frühjahrs-Tag-und-Nachtgleiche eine große Bedeutung, die den Frühling und das wiedererwachende Leben feierten. Dieses Fest zum Wiedererstarken der Sonne und des Lichts wurde früher mit großen und von Weitem sichtbaren Leuchtfeuern gefeiert. Dieser Brauch ist noch heute in Form der großen Osterfeuer lebendig.

Gleichgewicht – Licht und Dunkelheit

Licht und Dunkelheit halten sich zur Frühjahrs-Gleiche die Waage. Tag und Nacht sind überall auf der Welt für einen kurzen Moment gleich lang. Die gegensätzlichen Pole befinden sich für kurze Zeit im Gleichgewicht: Tod und Leben. Sterben und (Wieder)Geburt bzw. Auferstehung. Licht und Dunkelheit. Tag und Nacht. Kälte und Wärme. Innen und Außen. Abschied und Neubeginn. Ende und Anfang. Stille und Lebendigkeit. Ruhe und Aktivität. Mond und Sonne. Im Mondzyklus spiegelt sich das Gleichgewicht von hell und dunkel im zunehmenden Halbmond wider.

Und es wird klar – das jede Seite der gegensätzlichen Pole ihre Berechtigung, ihre eigene Qualität und tiefe Schönheit Inne hat. Leben braucht Energie. Jede Bewegung braucht die Antriebskräfte, die durch den ständigen Wechsel und die Anziehungskraft bzw. auch den Widerstand der Gegenpole zueinander entsteht.

Gleichgewicht ist ein Zustand, der in vielen Gebieten eine Rolle spielt. Oft wird Gleichgewicht und Balance als „das“ erstrebenswerte Ziel dargestellt. Gleichgewicht in der Natur, der Gesellschaft, im Körper, Herz und Geist. Im Buddhismus wird der mittlere Weg zwischen zwei Extremen (bei Buddha zwischen Askese und Hedonismus) als Praxisweg zur inneren Befreiung gelehrt. Es wird davon ausgegangen, dass es ein Ausdruck von seelischer, psychischer und körperliches Gesundheit ist, wenn wir ausgeglichen und in Balance sind. Und das ist sicherlich auch nicht falsch. Wichtig ist aber, sich zu vergegenwärtigen das Gleichgewicht kein stabiler Zustand ist und als solcher vermutlich auch nicht gesund. Denn manchmal brauchen wir mehr Aktivität, beispielsweise um ein Ziel zu erreichen. Genauso gibt es Phasen in unserem Leben, wo wir mehr Ruhe benötigen.

Genau das spiegelt sich auch in der Natur wider. Die Natur – und so auch wir Menschen – sind voll von gegensätzlichen Kräften, Elementen und Qualitäten – heiß und kalt, hart und weich, flüssig und fest, stark und schwach, tot und lebendig, hell und dunkel. Die grundlegende Intelligenz der Natur bringt Gegensätzliches immer wieder in Balance. Dabei geht es aber nicht um das lineare Erreichen eines Ziels, dass einmal hergestellt für immer andauert. Im Gegenteil in der Natur ist Gleichgewicht als dynamischer Pendelprozess zu verstehen. Das können wir auch im Kreis der Jahreszeiten, im Tages- und Mondzyklus erkennen. Balance ist ein fließender Prozess der fortwährenden Anpassung, Veränderung und des Ausbalancierens. Es ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass es auch nicht gesund und heilsam ist, einen fixen Zustand des Gleichgewichts anzustreben.

Damit sich der Kreislauf des Lebens weiterdrehen kann, braucht es Gleichgewicht, aber auch Ungleichgewicht – Wachstum und Stillstand und etwas dazwischen. Wir können von der Natur lernen, dass es bei Balance nicht darum geht, einen „perfekten Zustand“ zu erreichen. Viel wichtiger ist die Pendel-Fähigkeit, die Hochs und Tiefs mit Gelassenheit zu nehmen. Ebenso wichtig ist es, ein Gefühl dafür zu bekommen, was es gerade braucht – Gleichgewicht oder vielleicht auch ein „Mehr“ oder „´Weniger“ einer bestimmten Kraft. Hier dürfen wir von der Weisheit der Natur lernen. Im Jahreskreis bilden etwa die gegensätzlichen Kräfte der Jahreszeiten – Winter und Sommer, Frühling und Herbst – erst zusammen einen ganzheitlichen Wachstumsprozess. Ganzheit entsteht hier durch das Durchleben von unterschiedlichen und gegensätzlichen Qualitäten von Aktivität und Ruhe. Man kann hier ein Ineinanderfließen beobachten von Entstehen, Verwirklichung, Vergehen und Leere.

Wir können uns zur Frühjahrs-Gleiche daran erinnern, dass es letztlich darum geht, im Rhythmus der Natur und des Lebens zu sein. Wir sind natürliche Lebewesen. Damit ist diese natürliche Intelligenz des beständigen Pendelns und Ausbalancieren auch in uns vorhanden. Wir alle haben die Fähigkeit, mit dem Fluß des Lebens zu fließen, anstatt dagegen anzukämpfen.

Neubeginn

In der Natur stehen wir nun an der Schwelle eines neuen Lebenszyklus. Jetzt geht es los! Das was im Inneren und Verborgenen schlummerte, an Ideen, Projekten und Inspirationen drängt nun immer stärker an die Oberfläche. Aufbruchstimmung macht sich nun breit. Alles scheint nun möglich. Wir dürfen nun loslegen. Im Jahreskreis stehen wir symbolisch am Beginn einer neuen Zeit, im Osten, dem Sonnenaufgang. Der Frühling bringt das neue Leben in die Natur zurück.

In früherer Zeit wurde das Erwachen der Erde und der neue Wachstumszyklus mit Fruchtbarkeitsriten zu Ehren der jungen Erdgöttin (im deutschsprachigen Raum Erda, Erke, Berta, Hertha oder Gerda; in Nordeuropa Nerthus oder Jörg) gefeiert. Felder und Erde wurden gesegnet und ausgelassene Feste veranstaltet. Bei den Kelten war es der Hirschgott Cerunnos, der die Erdgöttin aus dem Winterschlaf wachküsste. Das Motiv der wiedererwachenden Lebenskraft ist in dem Märchen Dornröschen überliefert und findet sich auch in anderen Kulturen.

Ostern, Ostara bzw. die Frühjahrs-Gleiche stehen außerdem für die Zuversicht, dass wir zu Beginn eines jeden Zyklus, jedes Jahres, jeden einzelnen Tags und jeden einzelnen Augenblicks, neu beginnen können! Egal was war. Neustart! Das kann eine wundervolle und befreiende Haltung und Hoffnung sein.

Neue Lebenskraft und Erneuerung

Zur Zeit der Frühjahrs-Gleiche können wir die Gleichzeitigkeit des Gegensätzlichen und eine Zeit des Umschwungs beobachten. Da ist Frühjahrsmüdigkeit UND da ist neue Lebenskraft. Doch das Pendel schwingt nun Richtung Kraft und Lebensfreude. Angesichts der Aufbruchstimmung in der Natur reißen uns die Frühlingsgefühle mit sich.

Wildkräuter sprießen überall und helfen die Frühjahrsmüdigkeit zu vertreiben. Das machen sich auch manche Tiere zu Nutze. Bären haben beispielsweise ein großes Wissen über die Wirkkräfte von Heilpflanzen bei Verwundungen oder Erkrankungen. Die Menschen früher wußten das und haben sich manches abgeschaut. Der Bärlauch ist eine solche Kraftpflanze der Bären, den die Bären zur Darmreinigung und Kräftigung nach dem Winterschlaf genutzt haben sollen.

Die Sonne gewinnt an Kraft und Wärme. Das Licht nimmt zu und verdrängt langsam die Dunkelheit. Die helle Hälfte des Jahres bricht nun an. Die Säfte fließen aus der Tiefe der Erde zurück in die Bäume und Sträucher. Sie bringen neues Leben und neue Farbe in die Welt. Bereits die Germanen zapften das im Frühjahr aufsteigende Wasser der Birken als Getränk. Falls ihr das Ausprobieren möchtet, achtet bitte gut auf die Birke und zapft nur kleinere Äste an.

Legt man den Zyklus des Menschenlebens über den Jahreskreis, so befinden wir uns nun an der Schwelle von der Kindheit in die Pupertät – den Übergang in das Erwachsenenleben. Dies ist eine Phase der radikalen Erneuerung. Gesellschaftlich gesehen bringen junge Menschen neue Ideen, Wertvorstellungen und kraftvolle Aufbruchstimmung ein. Dadurch wird für eine beständige Erneuerung der Gesellschaft gesorgt. Auf der persönlichen Ebene lassen wir in dieser Lebensphase viel zurück – unsere Kindheit mit allem, was dazu gehört. Wir erneuern sozusagen, wer wir sind, und werden nun langsam ein Erwachsener. Wir blicken – vielleicht auch mit ein wenig Unsicherheit und Angst – aber doch voller neuer Lebenskraft, Ideen und Träume in unsere Zukunft.

Erste Schritte – Verletzlichkeit und Mut

Man kann nun gut beobachten, dass die Knospen immer praller werden, bis sie aufplatzen und die ersten Blüten sich entfalten. Die ersten zarten hellgrünen Triebe und Keime kämpfen sich durch die Erde und zeigen sich. Sie sind verletzlich UND gleichzeitig voller neuer Kraft. Auch hier vereint sich wie so oft im Leben das scheinbar Gegensätzliche.

Die Tiere und Vögel kehren langsam aus dem Winterexil, der Winterstarre oder dem Winterschlaf zurück. Die Stille des Winters weicht lauten Vogelgesängen und Insektenbrummen. Die Küken und Vögel schlüpfen aus dem Ei und die Tiere bekommen ihre Babys.

Am Anfang braucht es oft viel Mut und Kraft, um erste Schritte in das Ungewisse und Unbekannte zu wagen. Ich kann in diesen Tagen die wackligen Schritte der jungen Kälber bei mir um die Ecke beobachten. Und es wird mir klar, dass es vollkommen natürlich ist, dass diese ersten Schritte vielleicht noch ängstlich und unbeholfen sind. Aber es lohnt sich, sich auf den Weg zu machen, auch wenn wir jetzt vielleicht das genaue Ziel noch nicht kennen. Jetzt ist die Zeit, um etwas Neues zu beginnen, etwas Neues in die Welt zu setzen. Wir können ernst machen mit unseren Plänen, ernst machen mit unserem kostbaren Leben. Unsere Träume, Visionen und Wünsche dürfen nun Gestalt annehmen und in der realen Welt umgesetzt werden (Martina Kaiser). Wir können säen, nähren und wachsen.

Im Frühling gibt es auch Gegenkräfte. Das Wetter ist oft wechselhaft. Es kann nochmal richtig kalt werden und auch Nachtfröste sind nicht ausgeschlossen. Die ersten Pflanzen sind zart und ungeschützt. Und dennoch wagen sie es. Sie wachsen und die ersten Blüten und Blätter öffnen sich. Der Name April kommt vom lateinischen Wort aperire = sich öffnen. Es heißt, der April öffne die Knospen und Blüten ebenso wie die Herzen der Menschen. Das kann man gut spüren, wenn die Sonne die Seele und das Herz nach langer Dunkelheit erhellt. 

Ohne die Bereitschaft zur Öffnung kommen wir nicht in Kontakt zu der Kraft des Lebens, zu dem, wie das Leben wirklich ist. In jedem von uns Menschen ist ein zutiefst verletzlicher Kern, eine natürliche Verletzlichkeit. Bedingt durch die evolutionäre Konditionierung des für das Überleben verantwortlichen Teils des Gehirns schlummern in jedem Menschen Ängste, Unsicherheit und Unbehagen. Das ist zutiefst menschlich, da sich unsere Gehirne jahrtausendelang so entwickelt haben, um zu Überleben. Eine gesunde Angst war und ist ein wichtiges Gefühl, um gut durch gefährliche Situationen zu kommen.

Wer sich öffnet, wird zwar auch verletzlich. In Kontakt mit der eigenen Verletzlichkeit zu kommen, heißt aber auch in Kontakt mit sich selbst zu kommen. Und das bietet die Chance für Wachstum. Rückschläge und Widerstände gehören zum Wachstum dazu und fördern es sogar. Ihre Widerstandsfähigkeit bekommen die Pflanzen, in dem sie den Kräften der Natur ausgesetzt sind. Und auch in der Natur ist es so, dass nicht alle Pflanzen und Lebewesen es schaffen. So ist es auch mit unseren Ideen und Entwicklungen. Nicht alle Ideen erweisen sich als überlebensfähig. Das ist in Ordnung. Das Prinzip des „Try and Error“ ist tief in der Natur verankert. Wir dürfen immer wieder neu probieren.

Die Pflanzen im Frühling öffnen sich zunächst vorsichtig. Sie warten ab, wenn es kälter wird. Es kann klug sein, sich angemessen zu schützen. Auch wir Menschen legen uns Schutzstrategien zu, die zum Teil sehr sinnvoll und Überlebens notwendig sind. Manche Schutzstrategien können uns aber aus Angst vor Verletzung davon abhalten, uns zu öffnen und in Kontakt mit der Lebendigkeit des Lebens und mit uns selbst zu kommen. Solche Schutzstrategien – wie Wut, übermäßiges Essen, Ablenkung (Handy, Fernsehen) oder übermäßige Anpassung – können dafür sorgen, dass wir erstarren und in unserer Komfortzone bleiben. Wenn wir nie etwas Neues wagen, nie unsere Komfortzone verlassen, können wir nicht wachsen und uns lebendig fühlen.

Zur Frühjahrs-Gleiche kann ich mich damit auseinanderzusetzen, was „meine“ Schutzmechanismen und Verhaltensmuster sind. Das kann mir helfen, mich dafür zu öffnen, wer ich auch noch bin. Es geht darum mitzubekommen, was gerade da ist und liebevoll damit zu sein. Alles darf so sein, wie es ist – ob es angenehm oder unangenehm ist. Wir können behutsam einen Raum für unsere Ganzheit öffnen, in dem unsere Stärken, unsere strahlenden Seiten und unsere menschliche Verletztlichkeit sein darf. Dabei ist wichtig, dass wir uns hier nicht überfordern, sondern schauen, ob wir gerade Kapazitäten haben, uns unsere Verletzlichkeit und unsere Schutzschichten anzuschauen. .

Gute Wachstumsbedingungen und Wurzeln

Zu Beginn der neuen Wachstumsperiode geht es auch darum Wurzeln zu schlagen und das neue zarte und verletzliche Pflänzchen zu nähren. Wachstum ist nur möglich, wenn man über Wurzeln verfügt, die uns Halt und Stabilität und Nahrung geben. Es geht in dieser Zeit daher auch darum, sich eine stabile Basis und einen guten Nährboden zu schaffen und unser Augenmerk auf gute Bedingungen für inneres und äußeres Wachstum zu legen. 

Vom guten Gedeihen der Pflanzen hing früher Leben und Überleben ab. Daraus haben sich wie oben bereits beschrieben zahlreiche Bräuche entwickelt- zum Segnen der Felder, etwa in Flurumgängen oder in vorchristlichen Frühjahrsriten zu Erweckung der Mutter Erde und zu Ehren der Fruchtbarkeitsgöttinnen und -götter.

Reflexionsfragen zur Frühjahrs-Gleiche

Der Jahreskreis kann uns gleich einem Kompass Orientierung geben, wo wir stehen und was für weitere Entwicklung gebraucht wird. In unserem Leben, unserer persönlichen Entwicklung, einer Beziehung, mit einem Projekt, einer Idee. Dazu können wir uns Reflexionsfragen stellen. Wir können Antworten auf die Fragen aufschreiben, mit den Fragen in die Natur gehen, sie mit in die Meditation nehmen. Zur Frühjahrs-Gleiche können folgende Fragen passen. Schau, was für dich gerade passend erscheint. Und nicht immer sind wir synchron mit den Jahreszeiten. Es kann auch sein, dass du feststellst, dass du dich gerade an einer anderen Stelle im Jahreskreis befindest.

Zunächst können wir nun bewusst Abschied nehmen von der Nacht, die eine liebevolle Lehrmeisterin in Geduld, Ruhe, Regeneration und Innerlichkeit ist:

  • Welche Schatten sind uns begegnet? Welche Ängste? Welche Träume sind in uns aufgestiegen? Welche Erkenntnisse hatten wir? 

Dann können wir uns bewusst der Zeit des Lichts, der Wärme und des Liebens, des Handeln und Gestaltens und des Wachstums zuwenden:

  • Welche bislang verborgenen Wünsche und Visionen möchten jetzt an die Oberfläche ins Licht und gelebt werden? Welche im Winter geborenen Träume möchten jetzt erfahren, möchten gespürt und in mein reales Leben umgesetzt werden?
  • Welche Schutzstrategien habe ich, die mich davon abhalten, etwas Neues zu beginnen, meine Komfortzone zu verlassen und meine Träume zu verfolgen?
  • Was brauche ich, damit meine Vision, ein Projekt oder Plan in die Wirklichkeit umgesetzt werden und wachsen kann?
  • Passt alles oder kann ich noch etwas (auch etwas Kleines) verändern, eine neue Gewohnheit beginnen, die mir neue Räume für Wachstum und Lebendigkeit öffnet? 
  • Was brauche ich, um im Frieden zu sein in meinem Leben, so wie es ist, mit allen hellen und dunklen Seiten? 

Möget ihr durch die Höhen und Tiefen dieses Lebens mit Gelassenheit und Weisheit navigieren! Möget ihr den Mut haben, eure Träume Schritt für Schritt in die Wirklichkeit umzusetzen. Möget ihr eure Wurzeln und Träume nähren, damit sie zu starken Bäumen wachsen können, die den Himmel berühren.

Möget ihr den Frühling und die Rückkehr des Lebens feiern!

Eastern sun melt the cold from my bones
Curtain rise, take the darkness from my eyes
Breathing in, pulling life into my lungs
as a child, I am born again.

Ayla Nereo
Quellen

Kaiser, Martina: Der Jahreskreis; Sabine, Simeoni: Wildes Naturhandwerk; Kirschgruber, Valentin: Von Sonnenwend bis Rauhnacht; Rätsch, Christian: Der heilige Hain; Storl, Wolf-Dieter, Pflanzen der Kelten.

Draußen schlafen im Wald: Die Kraft der Gemeinschaft

Ich habe wieder draußen übernachtet. Diesmal nicht allein (siehe hierzu den Beitrag: Alone – Draußen schlafen in der Wildnis), sondern zusammen mit Simone, einer anderen Wildnispädagogin, Bloggerin (OutZeit Blog) und Mitgründerin von Enter the Wild (Portal für Outdoor-Abenteuer & Naturerlebnisse). Ich habe mich zum ersten Mal getraut, eine Nacht in einem stärker frequentierten, stadtnahem Waldstück zu verbringen. Ich habe gespürt, wie die Kraft der Gemeinschaft motiviert, stark und mutig macht. Wir Menschen sind Rudeltiere. Ohne Gemeinschaft und Kooperation hätte sich der Mensch nicht so erfolgreich auf der Erde ausbreiten und überleben können. Das konnte ich wieder einmal unmittelbar erfahren. Und wenn man sich Zeit nimmt, herumstromert und eine Nacht unter freiem Himmel schläft, öffnet sich ein Raum für neue Lern-Erfahrungen, inneres Wachstum und Naturverbindung.

Gemeinschaft von Gleichgesinnten und das Gesetz der Anziehung

Am Ende meiner Wildnispädagogen-Ausbildung gab uns mein Mentor (Christian von Naturabenteuer Niederrhein) den Rat, dass wir uns mit Gleichgesinnten vernetzen sollten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Bedeutung dieser Worte noch nicht in seiner ganzen Tragweite begriffen. Nun merke ich Stück für Stück aufgrund eigener Erfahrungen, welche Kraft eine unterstützende Gemeinschaft von Gleichgesinnten hat.

Diese Unterstützung kann unterschiedlich aussehen. Wenn ich mich mit Gleichgesinnten Natur-Liebenden, Lebens-Forschern und Entdeckern vernetze, führt das dazu, dass das, was ich liebe, mehr Raum in meinem Leben bekommt. Dieser Umstand folgt dem Gesetz der Anziehung: Gleiches zieht Gleiches an. Ich kann bewusst etwas dafür tun und es mir leichter machen. So geht es mir beispielsweise mit meiner Komplizin Christina von der Wildnisschule NaWiDu. Zeitlich gesehen nimmt Natur, Wildnispädagogik, Naturachtsamkeit und altes Wissen über die Verbindung zur Natur in meinem Leben durch die Verbindung mit Gleichgesinnten mehr Zeit-Raum in meinem Leben ein. Die Gemeinschaft mit anderen wirkt sich aber auch auf die Qualität und Tiefe meiner Erfahrungen und meine Verbindung zur Natur aus. Ich kann viel von anderen lernen – an Wissen und an neuen Perspektiven. Ich bekomme neue Inspirationen. Ich werde in meiner Leidenschaft bestärkt, weiter zu lernen, mehr Raus zu gehen und selbst Natur-Erfahrungen zu machen.

Das wurde mir heute Nacht sehr klar. Ohne Simone hätte ich diese Nacht nicht draußen im Wald geschlafen. Natürlich ist es auch sehr wertvoll und eine ganz andere Art von Erfahrung, wenn man etwas alleine macht und schafft – wie alleine draußen zu schlafen (siehe hierzu den Beitrag: Alone – Draußen schlafen in der Wildnis). Diesmal hätte ich aber nicht draußen geschlafen, wenn Simone nicht den Impuls dazu gegeben hätte. Alleine fällt es mir oft schwerer, meinen inneren Schweinehund zu überwinden und die Bequemlichkeit eines weichen, geschützten und warmen Bettes gegen die harte Matratze und den Biwaksack im Wald bei Temperaturen um die 5 Grad einzutauschen. Wenn man etwas gemeinsam mit einem anderen macht, haben die Ausreden im Kopf oft weniger Überzeugungskraft. Es wird einfacher, die eigene Komfortzone zu verlassen und die eigenen Grenzen zu weiten. Die doppelte Energie ist einfach stärker als die Stimmen im Kopf: Frauenpower pur! Wie schön, dass unsere Übernachtung zufällig auf den Welt-Frauentag fiel.

Gemeinsam ist man stärker

Die Kraft der Gemeinschaft macht auch stärker. Nicht umsonst heißt es: „Gemeinsam ist man stärker“ oder „Wenn man Freunde hat, braucht man sich vor nichts auf der Welt zu fürchten“ (Janosch). Alleine hätte ich mich wahrscheinlich in diesem stadtnahen, hoch frequentierten Waldstück als Frau nicht getraut, eine Nacht zu verbringen. Zusammen mit Simone hatte ich keine Angst vor Übergriffen durch andere Menschen. Zusammen mit einem anderen ist es leichter, sich seinen Ängsten zu stellen.

Nachts wurde es tatsächlich sehr aufregend. Kurz nach der Dämmerung wurde es plötzlich ziemlich laut in dem ansonsten sehr stillen Nacht-Wald. Eine Rotte von mehreren Wildschweinen war in der Nähe deutlich zu hören. Vor Wildschweinen hatte ich immer Angst gehabt, wenn es um das Übernachten im Wald ging – sozusagen mein Angst-Endgegner. Tagsüber hatten wir bereits beim Herumstromern und Scouten nach einem guten Schlafplatz an anderen Stellen im Wald, Wühlspuren von Wildschweinen gefunden. Wir hatten unseren Schlafplatz extra in einiger Entfernung gewählt. Als die Rotte sich näherte, ging mein Adrenalinpegel ziemlich nach oben. Simone wusste dann, dass Wildschweine auf Lärm reagieren – zumindest, wenn sie noch in einiger Entfernung sind. Wir machten also Laute und raschelten mit dem Laub und Ästen, um die Wildschweine zu vertreiben. Tatsächlich haben sie sich dann entfernt und sind in dieser Nacht nicht wieder gekommen. Das war eine gute Erfahrung, die mir zukünftig mehr Sicherheit gibt.

Zwei- bis dreimal knallte dann in unmittelbarer Nähe noch richtig laut ein Jagdgewehr. Ansonsten blieb es in der Nacht ruhig. Dank Simones Gesellschaft verlief die Nacht – bis auf diese beiden Zwischenfälle – aber sehr angstfrei für mich. Alleine hätte das – wie ich bereits erfahren habe – vermutlich anders ausgesehen (siehe hierzu den Beitrag: Alone – Draußen schlafen in der Wildnis).

Neue Perspektiven – neue Erfahrungen

Simone und ich haben uns für den Biwaksack entschieden. Das hat uns den freien Blick auf einen wunderschönen klaren Sternenhimmel eröffnet. Wir beobachten, wie der helle Halbmond Richtung Westen zieht.

Im Biwaksack habe ich auch eine eher ungewohnte, neue Perspektive nach oben in die Baumkronen. Ich erkenne dadurch nochmal auf einer tieferen Ebene, dass jede Baumart sich vom Wuchs stark unterscheidet. Die majestätische, schnörkelige Eiche ist deutlich von der schlanken und geradlinigen Buche zu unterscheiden.

Tagsüber beim ziellosen Herumstromern und Scouten nach einem geeigneten Schlafplatz ist mir im reizreduzierten Winterwald schon aufgefallen, wie deutlich sich auch die Rindenmuster voneinander unterscheiden – die quergestreifte Kirsche, die längsgestreifte riffelte Eiche, die glatte Buche.

Mit der Dämmerung verstummt das laute Frühlings-Vogelgezwitscher. Es wird ganz still im Wald. Dann bekommen wir in dieser Nacht doch noch die Gelegenheit, unseren Hörsinn zu trainieren. Das ist ungewohnt, da bei uns Menschen der Sehsinn unsere Wahrnehmung stark dominiert. Es gibt einiges an Tiergeräuschen zu erlauschen und zu erraten. Und es ist spannend zu sehen, wie gut man die Bewegungsgeräusche den verschiedenen Tieren zuordnen kann. Da ist die laute Wildschweinrotte, die grunzt und im trockenen Laub herumwühlt. Dann hören wir ein einzelnes Tier. Wir rätseln – könnte das der Dachs oder Fuchs sein, dessen Bau wir beim Herumstromern entdeckt haben? Das Tier bemerkt uns und verfällt in „Galopp“. Jetzt ist es eindeutig als langbeiniges Reh zu erkennen. Im Verlauf der Nacht sind die langgezogenen Rufe einer Eule oder eines Kauzes zu hören. Morgens begrüßt uns der neue Tag – noch mit geschlossenen Augen – mit dem immer stärker einsetzenden Gezwitscher der Vögel. Als die Sonne zwischen den Bäumen aufgeht, ist alles wieder gut und auch die Schrecken der letzten Nacht vergessen.

Ich bin dankbar für diese Nacht und die Kraft der Gemeinschaft, die wieder eine Spur in meinem Leben und meinem Wachstumsprozess hinterlassen hat. Ich konnte beobachten, dass neue Lern-Erfahrungen Zeit und Raum brauchen. Dabei konnte ich die bestärkende Kraft der Gemeinschaft von Gleichgesinnten spüren. Ich habe erneut erfahren können, dass neue ungewohnte Perspektiven – mit dem Rücken auf dem Boden – helfen, neue Beobachtungen und Erkenntnisse zu sammeln.

Der keltische Jahreskreis – ein europäisches Medizinrad

Jahreskreis aus Naturmaterialien

Summary

Überall auf der Welt symbolisieren seit Urzeiten Kreise, Medizin- und Lebensräder den universellen Kreislauf des Lebens von Entstehen und Vergehen. Unsere keltischen Ahnen waren noch eng verbunden mit dem Kreislauf der Jahreszeiten. Für sich verlief die Zeit im Kreis. So bewegt sich auch das Jahr im Kreis vom Frühling zum Winter und wieder vom Frühling zum Winter. Die Qualitäten dieser Zeiträume im Zyklus der Jahreszeiten und die Bedeutung für ihr Leben feierten unsere Vorfahren mit Ritualen und Festen. Der keltische Jahreskreis setzt sich aus insgesamt acht Jahreskreisfesten zusammen, die für die unterschiedlichen Phasen und Zeitqualitäten im universellen Kreislauf und im natürlichen Jahresverlauf stehen.

Auch wenn wir heute nicht viel wirklich sicher über unsere keltischen Vorfahren wissen, können wir einiges von ihnen lernen. Der Keltische Jahreskreis ist ein europäisches Medizinrad, dass uns als Spiegel und Kompass für unsere inneren Landschaften dienen kann. Er spricht die tief in uns verwurzelte Symbol- und Bildsprache der europäischen Landschaft. 

Dadurch kann Verbindung und ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Natur und zu einem größeren Ganzen, dem Netz des Lebens entstehen. Die Rückbindung an den natürlichen Rhythmus des Lebens hat in der modernen Welt zwar nicht mehr die gleiche Dringlichkeit, wie für unsere Vorfahren, deren Überleben davon abhing. Vielleicht hat es aber nicht viel an Dringlichkeit eingebüßt. Denn in unserer modernen einseitig Intellekt-orientierten Welt voller Entfremdung und seelischer Verarmung, sichert die Rückbindung an den natürlichen Kreislauf das Überleben unserer Seele. Der Keltische Jahreskreis kann uns helfen, wieder im Einklang mit dem universellen Rhythmus des Lebens zu leben, der auch unser eigener Lebensrhythmus ist. Wir können heimisch werden auf dieser Welt. Eingebettet in den ewigen Kreislauf wiegt uns der Rhythmus des Lebens – auf und ab und auf und ab.

Der universelle Kreislauf von Entstehen und Vergehen

Überall auf der Welt symbolisieren seit Urzeiten Kreise, Medizin- und Lebensräder den universellen Kreislauf des Lebens von Entstehen und Vergehen, Entstehen und Vergehen. Unser Atem folgt diesem Rhythmus genauso, wie die Gezeiten des Meeres. Alles bewegt sich nach demselben universellen Rhythmus und Kreislauf. Alles Leben entsteht aus der Dunkelheit, dem Verborgenen, dem Unbekannten, dem tiefen Winter. Der keimende Pflanzensamen aus der Dunkelheit der Erde genauso wie wir Lebewesen aus dem dunklen Körper unser Mutter. Das neue Leben wird erst mit der Geburt, dem Keimen sichtbar. Es wächst dann und blüht auf. Es kommt zur Befruchtung, zur Reife und Vollendung, zur äußeren oder inneren Ernte. Das Sterben der Pflanze bereitet dann den Weg für das Samenkorn durch die Dunkelheit – den Stillstand – die Leere in einen neuen Kreislauf. Der Kreis steht dafür, dass das Ende zugleich der Anfang ist. Wir bewegen uns in einem ewigen Kreislauf des Wandels und der Veränderung. Jedes Jahr gleich und jedes Jahr anders. Nichts verschwindet für immer, alles verändert sich und wird zu etwas anderem. Auch der Tod ist nur der Anfang von etwas Neuem, Unbekannten.

Das Jahr mit seinen Jahreszeiten ist ein solcher wilder rhythmischer Kreis. Das gleiche gilt für den Verlauf der Sonne im Tag- und Nachtrhythmus, den Mondzyklus, die Vegetationsphasen von Pflanzen und Bäumen. Auch der weibliche Menstruationszyklus folgt dem Zyklus der inneren Jahreszeiten. Und wie sollte es anders sein – dieser ewige Rhythmus gilt auch für das menschliche Leben und Sterben. Wir sind aus denselben Atomen und Teilchen wie das Universum und alles, was sich darin befindet. Wir sind nicht getrennt von der Natur. Auch wenn wir das heute oft vergessen: Wir sind Natur und unterliegen als solche den gleichen Gesetzmäßigkeiten wie alle anderen Lebensformen.

„Alle Kräfte der Welt wirken in Kreisen. Der Himmel ist rund und wie ich höre, ist die Erde rund wie eine Kugel und ebenso alle Sterne. Wenn der Wind am heftigsten weht, bildet er runde Wirbel.

Die Vögel bauen ihre Nester kreisrund, denn sie haben die gleiche Religion wie wir. Die Sonne geht in einem Kreis auf und wieder unter – der Mond macht es ebenso – und beide sind rund.

Sogar der Wechsel der Jahreszeiten bildet einen großen Kreis und kehrt immer wieder dahin zurück wo er begann. Das Leben der Menschen ist ein Kreis – von Kindheit zu Kindheit – und so ist es mit allem, worin sich die Kraft regt.“ 

Black Elk, Medizinmann der Lakota Sioux

Der keltische Jahreskreis

Unsere vorchristlichen Ahnen in Europa waren als Jäger- und Sammler und später als Bauern- und Hirten notwendigerweise eng verbunden mit dem Kreislauf der Jahreszeiten, dem Klima, der Vegetation und der einheimischen Tierwelt. Das eigene Überleben hing davon ab. Dies galt auch für unsere keltischen und germanischen Vorfahren. Für unsere mitteleuropäischen keltischen Ahnen bewegt sich die Zeit im Kreis. So bewegt sich auch das Jahr im Kreis vom Frühling zum Winter und wieder vom Frühling zum Winter. Die unterschiedlichen natürlichen Zeiträume in diesem Jahreskreis wurden von Natur-Gottheiten verkörpert und „beherrscht“. Die Qualitäten dieser Zeiträume im Zyklus der Jahreszeiten und die Bedeutung für ihr Leben feierten unsere Vorfahren mit Ritualen und Festen. Der keltische Jahreskreis setzt sich aus insgesamt acht Jahreskreisfesten zusammen, die für die unterschiedlichen Phasen im universellen Kreislauf stehen.

Die Kelten – naturverbundene Ureinwohner Europas

In unseren modernen Welt schauen wir heute manchmal sehnsüchtig und etwas verklärt zu den letzten indigenen Kulturen auf dieser Welt, die sich ihre tiefe Verbindung zur Natur, zu sich selbst und zu einer funktionierenden Gemeinschaft bewahrt haben. Doch wenn wir zu unseren eigenen Wurzeln schauen, können wir feststellen, dass wir auch mal naturverbundene Stammesmenschen, auch mal „Indianer“ oder „Ureinwohner“ waren.

Das gilt natürlich für unsere steinzeitlichen Jäger- und Sammlervorfahren, die ersten Bauernkulturen, aber auch noch für die danach in Nord- und Mitteleuropa verbreiteten Kelten und Germanen. Dabei muss man sich immer wieder bewusst machen, dass es „die“ Kelten und „die“ Germanen nicht gibt. Es handelt sich dabei vielmehr um eine Vielzahl an Stämmen und Clans. Vereinfacht gesagt, waren die keltischen Stämme in Mitteleuropa um etwa 800 v Chr. bis kurz vor Beginn unser Zeitrechnung heimisch, während die germanischen Stämme ursprünglich in Nordeuropa, Skandinavien zu Hause waren und sich kurz vor Beginn unser Zeitrechnung immer wieder bis zum Beginn des Mittelalters Richtung Süden ausbreiteten. Im Laufe der Zeit kam es zu zahlreichen Wanderbewegungungen und damit der Vermischung von keltischem und germanischem Kulturgut. Das und die wenigen Überlieferungen von diesen Stämmen selbst, kann es teilweise schwer machen, diese beiden naturverbundenen Stammeskulturen auseinanderzuhalten.

Die keltischen Stämme prägten die Kulturgeschichte in Europa über gut 800 Jahre bis kurz vor Beginn unserer Zeitrechnung. Die Siedlungsgebiete der keltischen Stämme erstreckten sich in ihren Blütezeiten fast über ganz Mitteleuropa. In der Hallstatt-Zeit ab ca. 800 v. Chr. siedelten keltische Stämme in einem Kerngebiet von Ungarn über den gesamten Alpenraum bis nach Ostfrankreich. In der La Téne-Zeit, einer zweiten Blüteperiode der keltischen Kultur ab ca. 450 v. Chr. breiteten sich keltische Stämme bis in den Mittelmeerraum nach Griechenland und Kleinasien und im Westen bis nach Spanien und um ca. 200 v. Chr. bis auf die britischen Inseln aus.

Das Ende der keltischen Blütezeit begann mit dem Vordringen der Römer kurz vor Beginn unserer Zeitrechnung über die Alpen, von germanischen Stämmen aus dem Norden in Richtung Süden und von slawischen Völkern aus dem Osten. Von nun kam es zu einer starken wechselseitigen kulturellen Beeinflussung, Vermischung, aber auch Verdrängung und Überlagerung. Der starke Missionierungsdruck der aufstrebenden christlichen Kirche spielt ebenfalls eine große Rolle. Damit wurde das Ende der naturverbundenen Stammeskulturen in Europa eingeläutet, die langsam in anderen Kulturen aufgingen.

Wer waren die Kelten?

Im europäischen Kulturraum war es immer schon zur Vermischung und wechselseitigen Beeinflussung von aufeinander treffenden unterschiedlichen Kulturen gekommen. So entstand auch die keltische Kultur, nachdem viehzüchtende indoeuropäische Reitervölker aus den Steppen des Ostens auf der Suche nach Weideflächen im Westen auf archaische Waldbauern in Mitteleuropa stießen. Diese Wanderfeldbauern lebten auf gebrandrodeten Lichtungen in dem von dichten Urwäldern bewachsenen Mitteleuropa. Wenn der Boden nichts mehr zum Leben hergab, zogen sie weiter. Die Kultur dieser patriarchalisch organisierten Hirten- und Steppenkrieger verschmolz nun ab ca. 1500 v. Chr. mit der Kultur der matriarchalisch organisierten Waldbauern. Dabei vermischten sich auch die Erd- und Pflanzen-Gottheiten der erdverbundenen Waldbauern mit den Himmels- und totemischen Tier-Gottheiten der indoeuropäischen Steppenvölker.

Die keltischen Stämme hatten weder ein zusammenhängendes Reich, noch eine einheitliche Sprache, Religion oder Kultur. Daher gibt es auch nicht den einen keltischen Jahreskreis. Die Kelten waren durch miteinander über die Väterlinie patrilinear verwandte Sippen und Klans innerhalb eines größeren Stammesverbandes organisiert. Als Erbe der matriarchalisch organisierten Waldbauerkulturen spielte jedoch auch die Mutterlinie eine große Rolle, etwa beim Aufziehen der Söhne. Die keltische Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen hat sich bis lange in unsere Zeit gehalten: Die Männer machten die schwere körperliche Arbeit mit dem Pflug und Vieh, betrieben Handel und Krieg, während die Frauen für den Haushalt, Garten und die Heilkunde zuständig waren. Diese Rollen waren jedoch durchlässig. So wurde auch von kriegerischen Frauen berichtet. Frauen hatten sowohl bei den Kelten, als auch Germanen einen recht gleichberechtigten Status. Ihr Rat als Seherinnen (Veleda) wurde hoch geachtet. Die Kelten lebten in Großfamilien mit ihrem Vieh auf Einzelhöfen oder in kleinen Weilern. Sie betrieben auch aufgrund einiger Erfindungen äußerst erfolgreich eine Mischung aus Viehzucht und Ackerbau. Die keltische Landschaft bestand daher aus einem Flickenteppich aus Wald, Wiese, Weide und Ackerland. Auf Anhöhen gab es befestigte Flieh- und Wehrburgen (oppida), die später bereits teilweise städteähnlichen Charakter hatten.

Nicht-Wissen und die Freiheit der eigenen Interpretation

Sicher wissen wir heute nur sehr wenig über unsere keltischen Vorfahren. Das muss man sich immer bewusst machen. Denn es gibt keine schriftlichen Aufzeichnungen der Kelten, die uns Einblicke in das Leben aus erster Hand erlauben würden. Gleiches gilt im Übrigen auch für unsere germanischen Vorfahren. Das Wissen der Kelten wurde aus kultischen Gründen von Druiden an Druiden in mehrjährigen Ausbildungen mündlich überliefert. Was wir heute wissen, haben wir uns aus archäologischen Funden zusammengereimt oder aus den schriftlichen Aufzeichnungen der Römer, Griechen und der irischen Mönche entnommen. Bei diesen Berichten sind gewisse Ungenauigkeiten zu vermuten – sowohl aufgrund von fehlenden genauen Kenntnissen der keltischen Stammeskulturen, als auch aufgrund der jeweiligen Intentionen und subjektiven Sicht der römischen Kriegsherren und christlichen Missionare. Einiges von dem, was wir wissen, entstammt aus den heute noch lebendigen Überlieferungen und gelebten Bräuchen aus Irland. Hier ist der Zeitversatz zu den vor mehr als 3.000 Jahren lebenden Kelten zu beachten und auch, dass es sich um Überlieferungen aus einem geografischen Randbereich der sehr inhomogenen keltischen Stammeskulturen handelt, die vermutlich nicht ohne weiteres Rückschlüsse auf alle Siedlungsgebiete und unterschiedlichen Stämme erlauben dürfte. Eine weitere Quelle sind auch die in Mitteleuropa und Deutschland noch teilweise überlagerten oder von der christlichen Kirche adaptierten Bräuche, Rituale und Feste. Besonders spannend finde ich die Entdeckung, dass unsere Märchen und Mythen, die viele hunderte und vermutlich tausende Jahre mündlich überliefert wurden, bevor sie von den Gebrüder Grimm und anderen aufgeschrieben wurden, Elemente, Geschichten und Weisheit unserer Vorfahren enthalten.

Wenn wir etwas über die Kelten erfahren wollen, müssen wir also detektivisch auf Spurensuche gehen und die Spuren auch lesen lernen. Das ist bei der menschlichen Spurensuche nicht anders, als bei der tierischen Spurensuche. Und nicht zuletzt dürfen wir uns bewusst sein, dass wir vieles über unsere keltischen Vorfahren nicht wissen. Vieles bleibt daher letztlich unserer eigenen subjektiven Interpretation überlassen. Und das ist auch in Ordnung und eröffnet gerade im Hinblick auf den keltischen Jahreskreis viele Möglichkeiten. Immer schon haben sich Kulturen weiterentwickelt und ihre Sichtweisen, Geschichten, ihren Glauben, ihre Rituale und Lebensweise ihren eigenen Vorstellungen angepasst. Wir dürfen uns hier guten Gewissens eine gewisse Interpretations-Freiheit herausnehmen und selbstverantwortlich entscheiden, welche Sichtweise, welches Ritual und welche Praxis uns heute in unserer Lebenssituation gerade gut tut.

Natur-Spiritualität – Was wir von den Kelten lernen können

Die keltischen Stammeskulturen lebten als Vieh- und Ackerbauern eng verbunden mit den Zyklen der Natur. Mit dem Vordringen der Römern und wissenschaftsorientierten Griechen, der Aufklärung und schließlich fortschreitenden Industrialisierung ist eine starke Betonung von Objektivität, Intellekt, Rationalität, Wissen und Vernunft (Nord- bzw. Winter-Qualität im Jahreskreis) einhergegangen. Dem haben wir sicher viel Fortschritt, Wohlstand und ein Höchstmaß an individueller Freiheit zu verdanken.

Mir ist in den letzten Jahren aber klar geworden, dass durch den starken Fokus auf diesen Nord- und Winterqualitäten auch ein großes Ungleichgewicht entstanden ist. Ich konnte es lange nicht genau fassen: Es ist die Sehnsucht nach dem spirituellen Osten und dem körperlichen und sinnlichen Süden, den ich mein ganzes Leben gespürt habe. Eine Sehnsucht und ein Bedürfnis nach Subjektivität, nach dem nicht Sichtbaren, nach Gefühlen, Träumen, nach Nicht-Wissen, sondern nur vage Ahnen, nach Spüren, nach Zauber, Wunder und Staunen.

Die Medizin (im Sinne von Kraft) der Kelten, die wir heute brauchen, ist ihre tiefe Naturspiritualität, ihre naturmystische Wahrnehmung von der Welt und dem Universum. In unserer einseitig intellektuellen und wissensorientierten Kultur ist es zu einer seelischen Verarmung gekommen, die viele bewusst oder unbewusst fühlen. Auch die in Dogmen erstarrte christliche Religion kann dem immer weniger etwas entgegen setzen. Ich beobachte und erfahre oft, dass meine Mitmenschen nur das als Wirklichkeit wahrnehmen, was sie sehen und sich wissenschaftlich erklären können. Der Glaube an eine nicht sichtbare Welt wird oft als „esoterisch“ verlacht. Dass aber auch die Wissenschaften, bei all den wunderbaren Errungenschaften, vieles nicht sicher wissen und in ihren Erkenntnismöglichkeiten stark eingeschränkt sind, machen wir uns in unserer starren Wissenschaftsgläubigkeit oft nicht klar.

Um mehr Ganzheit und Balance in unserer Leben zu bekommen braucht es neben der Rationalität, der Wissenschaft und der Vernunft auch Irrationalität, subjektiven Glauben, das Wahrnehmen von mehr als der nur sichtbaren und beweisbaren Welt. Und um das nochmal klarzustellen. Mir geht es nicht um „Esoterik“. Denn heute dürfte kein ernsthafter Wissenschaftler mehr bestreiten, dass unsere menschliche Wahrnehmung und unser menschlicher Verstand zu begrenzt sind, um alles mit unseren Augen und unserem Verstand intellektuell wahrnehmen und verstehen zu können. Das geflügelte Wort „Ich weiß, dass ich nicht weiß“ bringt dieses Bewusstsein zum Ausdruck.

Was wir modernen Menschen häufig aberzogen und verlernt haben, ist die Wahrnehmung der nicht sichtbaren Welt. Wenn wir uns darauf einlassen und Konzepte – besonders auch menschliche Konzepte von der sichtbaren und nicht sichtbaren Welt – hinter uns lassen, dann können wir spüren, dass da mehr ist. Hier können wir uns von den Kelten inspirieren lassen. Etwa wenn nach der Vorstellung der Kelten zu bestimmten Zeiten im Jahreskreis – den Mondfesten – die Vorhänge zur Anderswelt, der Welt der Geister und Verstorbenen, dünn wird. Oder, wenn „hell“seherische Menschen Zeichen in der Natur und dadurch ihr Innerstes und das der Welt erkennen. Und auch hier zur Klarstellung: Hellseher sind für mich einfach Menschen, die eine besonders offene und feine Wahrnehmungsfähigkeit haben. Wenn wir uns in der Natur erkennen, entdecken wir, dass wir nichts anderes als Natur sind und alles letztlich Eins ist und demselben Rhythmen folgt. Immer und immer wieder.

Der keltische Geist war weder rationalistisch, noch systematisch. Er war frei von jeder Dualität und Trennung, sondern begriff den Mensch, die Natur, eine höhere Kraft oder Göttlichkeit und die innere und äußere Unter- oder Schattenwelt als Eins. Der keltische Geist trennte nicht zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, Zeit und Ewigkeit, Menschlichem und Göttlichem. Die Kelten begegneten einem solchen Gefühl des Getrenntseins mit dem gefühlsmäßigen Wissen der verbindenden Kraft der Freundschaft. Es geht hier um vor allem um Freundschaft mit sich selbst und der Natur, was letztlich für die Kelten dasselbe ist. Diese Freundschaft konnte Andersartigkeit, Ambivalenz und Widerspruch aushalten und war geprägt von Symbolismus und Phantasie.

Wie bei den meisten indigenen Naturvölkern galt bei den Kelten und Germanen alles als beseelt und heilig (Animismus), nicht nur die Pflanzen und Bäume, sondern auch die Erde, die Steine, Flüsse und Bäche – die gesamte Landschaft. Es gab unzählige Naturgottheiten und eine Vielzahl an besonderen Kraftorten, wie Quellen und Bäche, Höhlen, besondere Bäume oder Felsen. Die Kelten und Germanen verehrten ihre Götter nicht in Monumentalbauten, sondern in der Natur. Jeder Stamm hatte seinen heiligen Hain (Nemeton), für den häufig besondere Verhaltensregeln galten und wo man dem Göttlichen ganz konkret begegnen konnte. Auch Tiere hatten häufig eine besondere symbolische Bedeutung und waren Gefährten, Ratgeber und Lehrer für Kelten (Totemismus). Viele Gottheiten konnten die Gestalt von Tieren annehmen und so ihre Symbolkraft verkörpern.

Für die Kelten war das Sichtbare und das Unsichtbare Eins. Die Luft – der Osten ist der Ort des Unsichtbaren, des Spirituellen, der Seele. Alles, was in der Welt der Seele ist, sehnt sich danach in einen Ausdruck zu kommen und eine sichtbare Form im Süden zu finden. Tanz und Gesang sind Beispiele dafür. Die Natur ist der unmittelbarste Ausdruck einer göttlichen Vorstellungskraft. In ihr kommt der Schönheitssinn einer göttlichen Kraft zum Ausdruck – eine Schönheit, die so schön ist, dass es manchmal schon schmerzt. Die keltischen Stammeskulturen sind mit ihren heiligen Orten und ihrer Vorstellung einer beseelten und belebten Welt ein wunderbares Vorbild, wie das Sichtbare und das Unsichtbare in unserer Wahrnehmung auseinander hervor- und ineinander übergehen kann.

Wir können von unseren keltischen Vorfahren lernen, die in unserer Gesellschaft dominierenden Nord-Qualitäten im Jahreskreis von Intellekt und Wissen in eine gute Balance zu bringen mit den Ost- und Süd-Qualitäten einer sinnlichen und körperlichen Natur-Spiritualität. Wir können uns dabei vom keltischen Jahreskreis inspirieren lassen, wie er heute überliefert ist und dürfen uns dabei die Freiheit nehmen, einen für uns fühlbaren und stimmigen Weg zu mehr Ganzheit und Eins-sein zu finden.

Und wenn du ganz tief in dich reinspürst, dann kannst du vielleicht merken, dass die Naturspiritualität und Naturverbundenheit unserer keltischen Vorfahren auch noch in dir steckt.

Der keltische Jahreskreis als Spiegel und Kompass der inneren Landschaften

Was bringt dir ein Lebensrad, wie der keltische Jahreskreis?

Der Keltische Lebenskreis ist wie alle Lebensräder ein Modell, dass die Komplexität des Lebens und seiner Rhythmen vereinfacht. Lebensräder können als Spiegel dienen, für die verschiedenen Prozesse, die dem universellen Kreislauf im Rhythmus von Entstehen und Vergehen folgen. Dadurch können wir erkennen, wo wir gerade in dem Prozess, in unserem Leben stehen. Der Jahreskreis gibt uns Erkenntnis und Orientierung. Die Bezeichnung als Lebens-Kompass (Ursula Seghezzi) finde ich daher sehr passend. Wir können uns immer wieder im Jahreskreis verorten. So können wir in all der Komplexität und den Schwierigkeiten des Lebens nicht verloren gehen. Der Jahreskreis gibt uns Sicherheit. Und nicht nur das. Er kann uns auch Vertrauen und Gelassenheit, gerade in schwierigen Phasen geben. Im ewigen Kreislauf können wir darauf vertrauen, dass sich das Rad weiterdreht. Es gibt keinen ewigen Stillstand. Nach dem Winter kommt der Frühling. Nach der Dunkelheit das Licht. Nach der Nacht kommt der Morgen. Das ist sicher! Ja und selbst für unsere letzte Station auf dieser Erde kann uns der Jahreskreis Trost spenden. Denn wir können sicher sein, dass sich auch hier das Rad weiterdreht. Aus der reifen Frucht wird nach dem Tod der Samen. Nichts verschwindet für immer, alles verwandelt sich nur in etwas anderes. Auch wenn wir nicht genau wissen, was passiert, darauf können wir vertrauen. Und dieses Vertrauen kann uns die Angst vor dem Unbekannten mildern.

Das Bild vom Lebens-Kompass finde ich auch deswegen schön, weil es uns auch ins Handeln bringen kann. Er bringt Klarheit, über das, was zu tun ist. Wir wissen nicht nur, wo in unserer inneren Landschaft wir stehen, sondern wir können auch erkennen, wohin wir müssen. Im Jahresrad können wir ablesen, welchen Schritt wir nun gehen müssen, um weiter zu kommen, um zu wachsen, aufzublühen, zu reifen oder loszulassen, um neu zu beginnen. Der Lebens-Kompass hilft uns, uns bei all der ständigen Veränderungen im Leben wieder auszurichten, damit wir in die Richtung gehen können, die es nun braucht. Schon die Buddhisten erkannten, dass es sehr herausfordernd sein kann, dass sich alles im Leben ständig verändert und nichts auch nur eine Sekunde gleich bleibt (Prinzip von Anicca – Veränderlichkeit). Das kann sich sehr verunsichernd anfühlen. Der Lebens-Kompass kann uns hier helfen, Orientierung und damit Sicherheit zu finden.

Der Kreislauf der Jahreszeiten den der Keltische Jahreskreis beschreibt, spiegelt unsere menschliche Entwicklung bezogen auf das ganze Leben – von der Geburt bis zum Tod. Der Jahreskreis spiegelt aber auch unsere vielfältigen inneren Landschaften – bezogen auf einzelne Lebens-, Entwicklung-, Veränderungs- und Wachstumsprozesse. Und sogar im ganz Kleinen können wir entdecken, dass unsere tagtäglichen Stimmungslagen einem inneren Frühling, Sommer, Herbst oder Winter entsprechen. Gleiches gilt für den weiblichen Menstruationszyklus, wo die Phase bis zum Eisprung, die Follikelphase unser innerer Frühling, der Eisprung der Sommer, die darauf folgende Lutealphase der Herbst und die Menstruation der Winter ist. Die Parallelen und Einsatzbereiche sind unglaublich vielfältig. Der Keltische Jahreskreis kann beispielsweise auch als Rad der Kreativität genutzt werden und die Phasen des kreativen Schaffens- oder Lernprozesses beschreiben. So gestalten auch die wildnispädagogischen Wildnisschulen nach dem Vorbild von solchen Rädern und Kreisläufen Lernräume für die persönliche Entwicklung. Selbst mein Lauf-Training folgt immer und immer wieder dem Rhythmus des Rades, von Motivation, Aktion und Regeneration.

Auch das gibt Vertrauen und Sicherheit: Mit der Zeit erfahren wir, dass der ewige Rhythmus von Entstehen und Vergehen sich ständig wiederholt und in ganz vielen Bereichen wirksam ist. Dadurch kann Verbindung und ein Gefühl der Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen, dem Netz des Lebens entstehen. Die Rückbindung an den natürlichen Rhythmus des Lebens hat in der modernen Welt zwar nicht mehr die gleiche Dringlichkeit, wie für unsere Vorfahren, deren Überleben davon abhing. Vielleicht hat es aber nicht viel an Dringlichkeit eingebüßt. Denn in unserer modernen Welt voller Entfremdung und seelischer Verarmung, sichert die Rückbindung an den natürlichen Kreislauf das Überleben unserer Seele. Wir können wieder im Einklang mit dem universellen Rhythmus des Lebens leben, der auch unser eigener Lebensrhythmus ist. Wir können heimisch werden auf dieser Welt. Eingebettet in den ewigen Kreislauf wiegt uns der Rhythmus des Lebens – auf und ab und auf und ab.

Naturverbindung – Zurück zu unseren europäischen Wurzeln

Was das Thema Naturspiritualität und Naturverbundenheit angeht, gibt es viele gute Anregungen und Impulse, die sich in allen Kulturen rund um den Globus finden. Wie es schon immer das Wesen des Menschen war, können wir selbstverständlich von anderen Kulturen lernen. In unserer heutigen modernen Zeit sind dies vor allem die noch lebenden Nachfahren der letzten indigenen und naturverbundenen Stammeskulturen in Nord- und Südamerika, Afrika, Asien und Australien.

Warum aber, macht es großen Sinn, dabei nicht die eigenen europäischen Wurzeln zu vergessen?

Lebensräder wie der keltische Jahreskreis sind der Ausdruck konkreter Naturerfahrung in kulturell gefasste Bilder (Ursula Seghezzi, Der Lebenskompass). Es gibt einen unbestreitbaren Zusammenhang zwischen Natur und Kultur. Menschen und ihre Kultur sind geprägt von der Landschaft, in der sie wohnen und deren klimatischen und jahreszeitlichen Besonderheiten, den einheimischen Pflanzen und Lebewesen. Wenn man sich das klar macht, versteht man auch, warum sich viele Lebensräder voneinander unterscheiden, auch wenn der universelle Rhythmus von Entstehen und Vergehen immer gleich bleibt. So ordnen manche Räder das Element Feuer dem Sommer und manche dem Herbst oder Frühling zu. Gleiches gilt für das Element Wasser. Auch die Zuordnung der Zeitqualitäten und der Menschheitsphasen unterscheiden sich teilweise im Detail. Was gleich bleibt ist aber die Funktion und Bedeutung, die solche Lebensräder für uns Menschen haben können. Sie sind Modelle, Vereinfachungen der Komplexität des Lebens, die uns Orientierung, Vertrauen und eine Rückbindung an die Natur geben.

Auch unsere keltischen Vorfahren, ihre Götter und Geschichten, ihre Wahrnehmung von der Welt waren zutiefst geprägt von der Landschaft, dem Klima, den Pflanzen und Lebewesen in Mitteleuropa. Wenn es in unserer modernen Welt bei der Verwendung von Lebensrädern vor allem um eine Rückbindung an die Natur und die natürlichen Kreisläufe des Lebens geht, dann macht es Sinn sich an Lebensrädern zu orientieren, die die Bild- und Symbolsprache unserer Vorfahren und der natürlichen Umgebung, in der wir leben, sprechen. Die Bild- und Symbolsprache unserer keltischen Vorfahren ist vermutlich noch tief gespeichert in unserem Körper, unserem Geist und unserer Seele.

Der Keltische Jahreskreis ist ein europäisches Medizinrad. Er orientiert sich an der europäischen Landschaft und am europäischen Kulturgut, auch wenn wir um die Ungenauigkeiten in der Überlieferung wissen. Denn den einen keltischen Jahreskreis gibt es nicht. Wir müssen selbst Verantwortung für uns übernehmen. Wenn wir den Keltischen Jahreskreis leben, geht es nicht um ein schematisches oder dogmatische Abarbeiten von vermeintlich feststehenden und genau zu beachtenden Vorgaben. Wir müssen immer selbst spüren und erfahren und beobachten, wo uns der Weg hinführt.

Gleichgewicht und Polarität im achtspeichigen Rad

Die Jahreskreisfeste entstanden aus dem Leben in der Natur und der genauen Beobachtung der natürlichen Vorgänge und des Verlaufs der Sonne und der Himmelskörper. Der keltische Jahreskreis setzt sich aus insgesamt acht Festen im Jahresverlauf zusammen, die sich an den Jahreszeiten und dem Verlauf der Himmelskörper im Jahresverlauf orientieren. Die Feste liegen sich im Jahreskreis jeweils gegenüber und bilden so ein achtspeichiges Rad. Dadurch drückt sich auch eine gewisse Polarität im Jahreskreis aus, in der sich gegensätzliche Kräfte – Leere und Fülle, Entstehen und Vergehen, Wachstum und Rückzug, Aktivität und Stillstand – über den Jahreslauf gesehen wieder in einem Gleichgewicht miteinander finden.

Sonnen- und Mondfeste

Im Jahreskreis der Kelten sind vier Sonnenfeste fest durch den Verlauf der Sonne auf der Nordhalbkugel vorgegeben: die Sonnenwenden im Sommer (längster Tag und kürzeste Nacht) und Winter (längste Nacht und kürzester Tag) und die Tag- und Nachtgleichen im Frühling und Herbst. Sie kennzeichnen den Höhepunkt der jeweiligen Jahreszeit und zugleich einen Wendepunkt. Durch sie entsteht das keltische Kreuz im Jahreskreis. 

Zwischen diesen Festen liegen vier Mondfeste, die früher zu einem bestimmten Voll- bzw. Neumond im Jahr gefeiert wurden. Mit der Einführung des römischen Kalenders und der Christianisierung der vor-christlichen Bräuche der Kelten, wurden die Mondfeste auf einen bestimmten Kalendertag festgelegt. Die Mond-Feste wurden je zu Ehren eines Götterpaares gefeiert. Dieses Gottheiten übernahmen an dem Fest die Vorherrschaft über den Zeit-Raum bis zum nächsten Mondfest. Die Kelten nannten diesen Zeitraum das Reich der jeweiligen Gottheit. Jede dieser Gottheiten verkörpert die natürliche Zeitqualität im Jahresverlauf. Häufig sind sie eng verbunden mit bestimmten Tieren oder jahreszeitlichen Pflanzen. 

Jahreskreisfeste im Überblick

Der Jahreskreis lässt sich in Orientierung an die Lichtverhältnissen im Jahresverlauf in eine dunkle und eine helle Seite einteilen. Für die Kelten begann das Jahr und auch der Tag (als Einheit von Tag und Nacht) jeweils mit der dunklen Hälfte, dem Herbst oder der Dämmerung. Das keltische Jahr startet daher Anfang November mit dem Mondfest Samhain zu Ehren des Totengottes Samhain und der schwarzen Göttin Morrigan. Es wurde als einziges der vier Mondfeste zum Neumond gefeiert, dem Neumond, der der Herbst-Tag und Nachtgleiche am nächsten ist. Die anderen drei Mondfeste wurden jeweils zum Vollmond gefeiert. Die Wintersonnenwende ist die dunkelste Nacht, in der die Geburt des Lichts, des Sonnengottes gefeiert wird. Die Zeit zwischen den Jahren – die Rauhnächte – diente der Angleichung des Sonnen- und des Mondkalenders. In diesen besonderen Nächten stand alles still. Es ist eine Zeit für Reflexion. Zum Februar-Vollmond übernimmt die weiße Göttin Brighid mit ihrem Bären die Herrschaft. Sie bringen das Licht zurück und erwecken die Erde zu neuem Leben. Ihr zu Ehren wird das Fest Imbolc gefeiert. Die Frühjahrs-Tag- und Nachtgleiche ist der Höhepunkt des Frühlings. Die Natur ist geprägt von Aufbruch und Wachstum. Licht und Dunkelheit sind im Gleichgewicht. Im Mai beginnt zu Beltane oder Walpurgis mit wilden und ausgelassenen Mai-Feierlichkeiten zum Mai-Vollmond die helle und warme Hälfte des Jahres. Es ist die Zeit des Sonnengottes Bel oder Belenos und seiner fruchtbaren Blumengöttin Belisama (Dana), die sich bei der heiligen Hochzeit vermählen. Die längsten Tage des Jahres und lauen Mittsommernächte laden zur Sommersonnenwende zu Freudenfeuern ein. Die Pflanzengöttin ist nun schwanger mit Früchten der Erde. Der August-Vollmond leitet mit dem Fest Lughnasad oder Lammas die Ernte-Zeit ein. Es ist die Zeit der Verwandlung. Der Fruchtbarkeitsgott Bel verbrennt bei diesem Erntefest in den heißen Augustfeuern und verwandelt sich in den feurigen und leuchtenden Gott Lugus oder Lug. Zusammen mit seiner Ernte- oder Korngöttin steht er für die Vollendung des Wachstumszyklus, für das Vergehen und das Verblühen und Versamen, das den neuen Lebenszyklus erst möglich macht. Die Herbst-Tag- und Nachtgleiche stellt den Höhepunkt der Erntezeit dar. Diese Zeit ist geprägt von Erntedankfesten und der Vorbereitung auf den kommenden Winter.

Hier sind die acht Feste im Überblick mit ihrer kalendarischen Verortung und der entsprechenden Zeitqualität:

SamhainNeumondfest – 1. November Ahnen, Wurzeln, Rückzug, Sterben, Loslassen
Wintersonnenwende / Jul Sonnenfest  – 21./22. Dezember:Geburt des Lichts in der Dunkelheit, Stille, Leere, Regeneration, Hoffnung, Vertrauen
Rauhnächte25. Dezember bis  06. JanuarZeit zwischen den Jahren:  Übergang, Grenzwanderung, Anderswelt, Rückschau und Vision
Imbolc / Brighid Vollmondfest – 1. FebruarErwachen, Vision, Reinigung
Frühjahrs-Tag- und Nachtgleiche / Ostara Sonnenfest 21./22. MärzAufbruch, Neubeginn, Öffnung, Wachstum
Beltane / WalpurgisVollmondfest – 1. MaiFruchtbarkeit, Sinnlichkeit, Liebe, Lebenskraft
Sommersonnenwende / Mittsommer / LithaSonnenfest – 21./22. JuniLicht, Freude, Fülle, Aufblühen
Lughnasad / LammasVollmondfest – 15. AugustReife, Vollendung, Entscheidung
Herbst-Tag- und Nachtgleiche / MabonSonnenfest – 21./22. SeptemberFrüchte, Ernte, Dankbarkeit, Vorbereitung

Was von den Kelten übrig blieb

Auch heute können wir, wenn wir auf detektivische Spurensuche gehen, vieles entdecken, was keltischen oder germanischen Ursprungs ist. Keltische Weisheit, Naturspiritualität und Naturverbundenheit ist noch nicht verschwunden. Sie ist zum Teil überlagert vom Christentum und anderen Kulturen. Auch das ist nichts Negatives, sondern ist der ewige Lauf der Dinge, dass alles sich verändert und nichts gleich bleibt.

Es macht Spass, die Augen offen zu halten, nach uralten vorchristlichen Bräuchen und Ritualen. Dann können wir feststellen, dass sie uns nicht nur im Märchen begegnen. Keltisches Kulturgut und keltische Weisheit begegnet uns fast tagtäglich im Alltag – in der Sprache, der Landschaft, den (Heil-)pflanzen und Bäumen. Wir können, dass als Anlass nehmen und uns an unsere indigenen Vorfahren erinnern und daran, wie die tief verwurzelt sie waren in den Kreisläufen der Natur und des Lebens.

Quellen: 
Storl, Wolf Dieter: Pflanzen der Kelten; Ursula Seghezzi, Der Lebenskompass, in: Bögele/Heiten, Räder des Lebens
; Kaiser, Martina: Der Jahreskreis; O’Donohue, John: Anam Cara, Das Buch der keltischen Weisheit; Das Buch der keltischen Mythen, Von Göttern, Kriegern, Feen und Druiden; Bögele, Robert / Heiten, Gesa: Räder des Lebens

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