Summary
Das Licht kommt zurück. Das Leben erwacht nun bald vom Rückzugsort im Inneren der Erde und wächst wieder nach außen. Aber noch ist es nicht soweit.
Noch ist das beginnende Leben nicht sichtbar. Die Samen wachsen in der Dunkelheit der Erde. Die weiße Göttin Brighid bereitet in dieser Schwellenzeit den Weg des Samens vor, um ihn aus der Dunkelheit, dem Unbewussten, in die Bewusstheit, das Tageslicht, zu führen. Begleitet wird sie von einem Bären, der noch nicht zu seiner wahren Gestalt als Sonnengott erstrahlt ist. Es ist eine Geschichte von Geduld und Vertrauen. Auch inneres Wachstum geschieht häufig langsam und zunächst unbemerkt.
Nicht mehr innen, noch nicht außen. Nicht mehr Winter, noch nicht Frühling. Nicht mehr dunkel, noch nicht hell. In dieser ZwischenZeit im Februar geht es um Reinigung und Bereinigung zur Vorbereitung auf den bald neu erwachenden Lebenszyklus. Es ist eine Zeit, in der diffuse Träume und Visionen konkreter werden dürfen, um dann im neuen Lebenskreis Wirklichkeit zu werden und Gestalt anzunehmen. Zu Imbolc reitet die strahlende Brighid auf ihrem Hirsch durch das Land und erweckt die erstarrte Erde aus ihrem Winterschlaf zu neuem Leben. Wo sie den Boden berührt, wachsen Schneeglöckchen.
Auf der Nordhalbkugel ist es die Zeit im Jahr mit dem knappsten Nahrungsangebot in der Natur. In dieser für unsere keltischen Vorfahren entbehrungsreichen Zeit feierten die Menschen zum Jahreskreisfest Imbolc (1. Februar oder 2. Vollmond) die Rückkehr des Lichts, das Vertrauen auf neue Lebenskraft und auf einen Neubeginn.
Dazwischen – ZwischenZeit

Das Licht kommt nun Tag für Tag mehr zurück. Die Geburt der ersten Lämmer war für die Menschen früher ein Zeichen dafür, dass der Frühling bevorsteht. Die Tiere bekommen bald ihren Nachwuchs. Die Erde wird wieder fruchtbar. Das Leben erwacht in Kürze vom Rückzugsort im Inneren der Erde und zeigt sich wieder im Außen. Aber noch ist es nicht so weit. Die Zeitqualität im Februar ist besonders: Dazwischen – ZwischenZeit – an der Schwelle. Der Winter ist vorbei, der Frühling noch nicht da. Für unsere Vorfahren, die Kelten, bedeutete dies: Die Wintervorräte gehen zu Ende, aber in der Natur gibt es noch nicht viel Neues. Nicht mehr Winter, noch nicht Frühling. Es ist die Zeit der Morgendämmerung. Die Nacht ist vorbei, aber die Sonne ist noch nicht aufgegangen, aber man spürt und sieht bereits ihre wachsende Kraft. Nicht mehr dunkel, noch nicht hell. Nicht mehr innen, noch nicht außen.
In dieser ZwischenZeit bereitet die weiße Göttin Brighid den Weg des Samens vor. Tief drinnen im dunklen Schoß von Mutter Erde liegt das Samenkorn. Es wächst im Stillen für uns noch nicht sichtbar. Brighid hütet diese Samen, um sie vom Unbewussten, aus der Dunkelheit, in die Bewusstheit, in das Tageslicht zu führen.
Zeitqualität und andere Zyklen

In der Natur kommt das Licht zurück, das neue Leben erwacht ganz langsam. Es ist die Zeit der Vorbereitung und Reinigung, Inspiration und Vision. Legt man den Tageszyklus über den Jahreskreis, ist es die Zeit der Morgendämmerung. Ihr entspricht die Himmelsrichtung Nord-Osten. Im Mondzyklus haben wir den zunehmenden Sichelmond. Das Licht nimmt nach dem Neumond zu. Es ist eine Zeit des Neubeginns, des ersten vorsichtigen und meist noch nicht sichtbaren Wachstums. Im Zyklus des Menschenlebens steht nun die Geburt des in der Dunkelheit herangewachsenen neuen Menschenlebens in unsere sichtbare Welt bevor. Aus dem Unbekannten kommt ein neues Lebewesen auf diese Welt. Noch wissen wir nicht genau, welches Wesen, mit welchen Eigenschaften und welchem Charakter hier Gestalt annimmt und Wirklichkeit wird. Noch ist das alles vages Glauben, Ahnen und Träumen.
Keltisches Jahreskreisfest Imbolc: Die Rückkehr der Lichtgöttin Brighid

Imbolc oder Imbolg ist ein altes keltisches Fest (gälische Tradition: Irland, Schottland), das im Jahreskreis zwischen der Wintersonnenwende und der Frühjahrstagundnachtgleiche gefeiert wird, an der Schwelle vom Winter in den Frühling. Es ist mit Samhain, Beltane und Lughnasad (siehe Keltischer Jahreskreis) eines der vier gälischen Feste, welche das Jahr in vier Zeiträume einteilen. Ursprünglich wurde Imbolc wohl als Vollmondfest zum zweiten Vollmond im Jahr, dem Eismond, gefeiert. In Irland feiert man heute noch zu Ehren der christlichen Heiligen Brighid am 1. Februar die Rückkehr des Lichts und Lebens. Die Christen fixierten das Datum der christlichen Adaption Maria Lichtmess auf den 2. Februar.
Genaue Riten, die geografische Verbreitung und lokale Bräuche des Frühlingsfestes in Europa sind aus der Zeit der Kelten mangels schriftlicher Aufzeichnungen nicht überliefert. Wir können uns heute einiges herleiten, aus archäologischen Funden (Kalender von Coligny), mittelalterlichen Aufzeichnungen insbesondere aus Irland und Schottland, aus christlichen Adaptionen und aus Brauchtum, Sagen und Märchen. Doch es bleibt sehr lückenhaft. Ich finde, wir dürfen deswegen stärker unsere eigene Fantasie nutzen. Kultur hat sich im Laufe der Zeit schon immer weiterentwickelt. Ich sehe den Nutzen im keltischen Jahreskreis heute vor allem darin, dass er uns rückverbindet mit unseren europäischen Wurzeln, dem Brauchtum und den Geschichten, die aus einer engen Verbundenheit mit der Natur, der Landschaft und den Jahreszeiten, entstanden sind. Dadurch können wir uns heute in Zeiten immer stärkerer Individualisierung und Entwurzelung wieder in unserem europäischen Kulturgut verwurzeln und ein stärkeres Bewusstsein für die jahreszeitlichen Kreisläufe und die Vorgänge in der Natur entwickeln.
Im Einklang mit den Vorgängen der Natur und den Schneeglöckchen kehrt zu Imbolc die weiße Göttin Brighid aus den Tiefen der Erde zurück. Brighid wird mit „die Strahlende“ übersetzt. Sie ist die weiße jugendliche Göttin, die das Licht zurückbringt. Die weiße Birke ist der Baum der Göttin Brighid. Er symbolisiert den Neuanfang im Vorfrühling. Die wohlschmeckenden Birkensäfte fließen nun wieder aus der Erde in den Stamm und die Äste bereiten den Austrieb vor. Die Birke ist der erste Baum, der grüne Blätter bekommt. Auf kahlen Flächen ist die Birke die Pionierin, die die Bewaldung vorantreibt.
Im Vorfrühling kam in früheren Zeiten in Europa der Bär nach seinem Winterschlaf aus der Höhle. Er ist Brighids Götter-Gatte, auch wenn das in seiner Bärengestalt nicht sichtbar ist. Das wird in dem alten Märchen Schneeweißchen und Rosenrot überliefert. Die schneeweiße jugendliche Göttin Brighid vermählt sich mit dem in einen Bären verwandelten Königssohn, der nichts anderes ist als der noch ungezähmte wilde Sonnengott der keltischen Stämme. Im Märchen wird das deutlich, wenn das goldene Licht aus dem Fell des Bären strahlt, als er am Türhaken hängenbleibt. Diese Symbolik des Gestaltwandlers zeigt auch die enge Verbindung und Bedeutung, die Tierwesen für die keltischen Stämme hatten.
Brighid wird häufig als eine Seite einer dreigestaltigen Göttin angesehen. Die Zahl drei hatte bei den Kelten eine besondere mystische Bedeutung und stand für die Ganzheit trotz unterschiedlicher sie verkörpernder Aspekte. Zusammen mit den alten keltischen Göttinnen Dana, der Mutter, und Anu, der Greisin, bildet Brighid als Jungfrau den gesamten menschlichen Lebenszyklus mit seinen jeweiligen Themen und Qualitäten, Jugend, Fruchtbarkeit und Alter, ab. Wir sehen hier wieder, dass es nicht die eine keltische Kultur und Religion gab (siehe hierzu den Blog-Beitrag: Der Keltische Jahreskreis). Für diese dreifaltige Gottheit gab es verschiedene Namen, doch die Geschichte ist immer ähnlich. Einer anderen Quelle zufolge wird Brighid etwa gemeinsam mit der Muttergöttin Modron und der dunklen Göttin Cailleach genannt, als dreifache Göttin, die über die Jahreszeiten bestimmt. Cailleachs Herrschaft beginnt zu Samhain (1. November). Sie steht für den dunklen und zerstörerischen Winteraspekt der Großen Göttin. Die Sommer-Göttin Modron legt zu diesem Zeitpunkt ihre Zauberrute unter einen Holunderbusch, wäscht sich in einem Becken und verwandelt sich in Cailleach. Die Wintergöttin Cailleach beendet ihre Herrschaft, indem sie die Schlange weckt. Die Schlange verkörpert den natürlichen Zyklus von Sterben und Neubeginn. Sie ist ein Symbol für den Zerfall, aber auch für die Naturkräfte des Wachstums und der Erneuerung. Das Motiv der Schlange macht zudem den in der keltischen naturverbundenen Kultur stark verbreiteten Totemismus deutlich. Die Schlange beendet im Februar zu Imbolc den Winter. Cailleach legt dann die Zauberrute unter einen Hollerstrauch (Holunder) und erstarrt zu einem Stein. Die Göttin Brighid nimmt den Stab auf. Mit den ersten Schneeglöckchen wird nun der Vorfrühling angezeigt. Jede Göttin steht für eine bestimmte Phase im menschlichen Leben und übernimmt für die ihr entsprechende Jahreszeit die Herrschaft.

Inspiration: Kessel der Verwandlung
Die Göttin Brighid symbolisiert, passend zu dieser Zeit im Jahreskreis an der Schwelle zum neuen Wachstumszyklus, den Wandel. Es ist die Zeit, in der das Eis langsam taut und die Flüsse und Bäche wieder zu fließen beginnen. Das Element der Brighid ist das Wasser. Als Lichtgöttin und Göttin der Inspiration ist ihr Element jedoch auch das Feuer. Beide Elemente kommen zusammen im Symbol des Kessels. Der Kessel ist ein uraltes Symbol der Verwandlung und Inspiration, das sich in zahlreichen Mythen und Märchen wiederfindet. Auch bei den keltischen Druiden (aufgegriffen bei Asterix und Obelix und dem Druiden Miraculix) war er ein wichtiger kultischer Gegenstand. Die beiden gegensätzlichsten Elemente, Feuer und Wasser, bringen im Verborgenen des Kessels und durch das Vermischen von verschiedenen Zutaten etwas völlig Neues hervor. Es findet eine Verwandlung statt. Nach demselben Prinzip entstehen Inspiration, Vision und neue Ideen. Der kreative Schaffensprozess vollzieht sich zu großen Teilen in unbewussten Phasen (sog. Inkubationsphase nach dem Vier-Phasen-Modell nach Graham Wallace oder Intuitive Phase nach dem Drei-Phasen-Modell). Neurowissenschaftliche und psychologische Modelle gehen davon aus, dass das Gehirn im Unbewussten an einer Idee weiterarbeitet, wenn man sich nicht mehr mit der eigentlichen Aufgaben- oder Fragestellung beschäftigt. Das Default-Mode-Netzwerk ist im wachen Ruhezustand aktiv, wenn wir nicht mit einer konkreten Aufgabe beschäftigt sind. Es ist durch eine nach innen gerichtete Aufmerksamkeit gekennzeichnet, wie beim Tagträumen, bei der Selbstreflexion und Meditation. In diesem Zustand sortieren sich unsere Erinnerungen, unsere Gedanken über uns selbst und die Welt, soziale Vorstellungen und Pläne für die Zukunft und verbinden sich zu einer für uns stimmigen inneren Erzählung. Durch eine Neukombination von Vorhandenem kann so eine neue Idee entstehen. Der Kessel der Verwandlung ist ein wunderbares Symbol dafür.
Visionssuche: Welche Samen schlummern in dir?

Wenn man an die Samen und anschwellenden Knospen denkt, ist der Februar die Zeit des Heranwachsens im Verborgenen. Eine kreative Schaffensphase. Eine Schwangerschaft. Wenn man etwas schaffen oder erschaffen will, und sei es nur ein noch vages anderes Lebensgefühl, dann braucht man eine klare Vision. Um ins Handeln kommen zu können, braucht es Begeisterung, Freude, eine Inspiration, ein inneres Feuer, einen Traum, eine Idee, eine Vorstellung davon, was man in die Welt, in die Wirklichkeit bringen möchte. Hier zeigt sich wieder, wie ein am natürlichen Verlauf der Jahreszeiten orientierter Keltischer Jahreskreis (siehe hierzu den Blog-Beitrag: Der Keltische Jahreskreis) uns Orientierung auf unserem Lebensweg, aber auch für bestimmte Projekte oder neue Routinen geben kann. Wir können die Kraft des Februars, des Nord-Ostens nutzen und unseren Traum, unsere Vision in eine konkretere Gestalt bringen. Wir dürfen nun Klarheit gewinnen und ihn für uns langsam sichtbar machen.
Folgende Reflexionsfragen können dabei helfen:
🌱 Welche Samen, Ideen und Träume wachsen in deinem inneren Raum?
🌱 Was möchte Gestalt annehmen und Wirklichkeit werden?
🌱 Was will in diesem neuen Jahreskreis erwachen, möchte ans Licht, wachsen, aufblühen und leben?
Erwachen des neuen Lebens

Auf der Nordhalbkugel ist es die Zeit im Jahr mit dem knappsten Nahrungsangebot in der Natur. In dieser kargen und für unsere keltischen Vorfahren entbehrungsreichen Zeit feierten die Menschen das Vertrauen auf neue Lebenskraft, auf einen Neubeginn. Sie feierten das zurückkehrende Licht. Die Tage werden wieder spürbar länger, ungefähr 2 1/2 Stunden länger als zum Jahresbeginn. Die Zeit der Dunkelheit geht dem Ende zu. Das können wir alle spüren.
Die keltischen Jahreskreisfeste spiegeln die genaue Beobachtung und konkrete Erfahrung der Natur durch die Kelten und ihre Vorfahren wider. Imbolc (Herkunft: oimelc) kann übersetzt werden mit der „Zeit, in der die Frühjahrslämmer geboren werden und es wieder Milch gibt“. In diesem Namen kommt der Übergang von der kargen Winterzeit zum Erwachen des neuen Lebens zum Ausdruck.
Das wird in der Natur nun langsam sichtbar. Die Hasel blüht bereits. Schneeglöckchen und Frühblüher suchen langsam den Weg ans Licht und kündigen den Vorfrühling an. Die Schneeglöckchen können auch als Symbol für die weiße Frühjahrsgöttin Brighid gedeutet werden. Zu Imbolc reitet die strahlende Brighid auf ihrem Hirsch durch das Land und erweckt die erstarrte Erde aus ihrem Winterschlaf zu neuem Leben. Überall, wo sie den Boden berührt, sprießen Schneeglöckchen, Krokusse und andere Frühblüher aus der Erde.
Die Knospen vieler Bäume und Sträucher schwellen an und stehen kurz vor dem Austreiben, an der Schwelle. Die Säfte schießen nun mit neuer Lebenskraft zurück nach oben in die Sträucher und Bäume. Früher zapften die Menschen zu dieser Zeit den nahrhaften Saft der Birke an, um die nahrungsarme Zeit am Ende des Winters zu überbrücken. Tiere wie der Specht (sog. Ringeln) machen dies heute noch.
Reinigung

In der Natur können wir nun die reinigende Kraft der letzten Winterstürme sehen. Sie befreien die Natur von altem Ballast (Blätter, Abgestorbenes) und dem, was nicht mehr trägt (Äste und Bäume). Der Weg wird freigeräumt für den Neubeginn, das wiedererwachende Leben. Regen und Hochwasser helfen dabei. Sie spülen Überflüssiges davon und bereiten den Boden für die ersten keimenden Samen.
Es ist eine Zeit des Übergangs und Umschwungs, der Wandlung, Transformation und Veränderung. Eine Zeit der Reinigung, in der Altes und Ausgedientes zurückgelassen werden kann, um sich zu erneuern und sich auf Neues vorzubereiten (Element Wasser und Feuer). Eine Zeit der Rückkehr des Lichtes, des Aufbruchs und Neubeginns, der Inspiration und Vision (Element Feuer).
Unsere Vorfahren bereiteten sich in dieser Zeit durch Reinigung auf diesen Neubeginn vor, innere Reinigung wie Fasten, Neuausrichtung, Visionssuche und äußere Reinigung wie Wäsche waschen, Haus- und Hofputz mit dem rituellen Birkenreisig. Das Jahreskreisfest Imbolc kann in einen klaren Bezug zu den Vorgängen in der Natur, Reinigung, Neubeginn und Licht, und den Bedürfnissen der Menschen am Ende der Winterzeit gesetzt werden. Und so gibt es zahlreiche Überschneidungen und vielleicht auch (wechselseitige) Beeinflussungen mit Festen anderer Kulturen.
So kannten etwa die Römer zum Ende des Winters Reinigungsfeste, nämlich das für den Monat Februar namensgebende Reinigungsfest Februa. Zu dieser Zeit wurden Kerzen geweiht und es gab Lichterprozessionen. Das lateinische Wort „februare“ bedeutet reinigen.
In Irland haben die alten keltischen Bräuche im christlichen Gewand überdauert. Zu Ehren der christlichen Heiligen Brighid brennt ein ewiges Feuer in ihrem Heiligtum in Kildare und die Brunnen werden für ihr Wasser der Reinigung und Erneuerung verehrt.

Christliche Adaption: Maria Lichtmess oder die Darstellung des Herrn
Maria Lichtmess ist ein christlicher Feiertag am 2. Februar. Er geht zurück auf jüdische Bräuche, hat vermutlich aber auch Ursprünge in älteren Frühlingsfesten. Maria Lichtmess knüpft an die alte jüdische Tradition an, wonach Frauen nach der Geburt eines Sohnes 40 Tage unrein sind und am Ende dieser Zeit durch Reinigungszeremonien wieder in die Gemeinschaft eingeführt wurden. Lichtmess wurde daher zunächst am 14. Februar (40 Tage nach Weihnachten) gefeiert. Es ist außerdem die Zeit, in der Kinder getauft bzw. beschnitten wurden. Die Taufe wurde auch als Darstellung des Herrn bezeichnet. Ursprünge des christlichen Feiertags sind aber wohl auch in den römischen Reinigungsfesten Februa und den Feierlichkeiten zu Ehren keltischen Göttin Brighid zu finden. Die Datierung auf den heutigen 2. Februar lässt jedenfalls römische bzw. keltische Einflüsse vermuten. Im Zuge der Christianisierung kam es häufig vor, dass heidnische Bräuche christianisiert wurden. Denn die Bevölkerung hatte diese Bräuche und Rituale tief verinnerlicht und gab diese häufig nicht ohne Weiteres auf. Zu Maria Lichtmess wurden Lichterprozessionen und Freudenfeuer gemacht und es gab die Kerzenweihe. Kerzen wurden gesegnet, als Wetterkerzen gegen schlechtes Wetter oder als Schutz vor Krankheiten.
Rituale zu Imbolc

Es gibt keine schriftlichen Aufzeichnungen von Zeitzeugen aus der Zeit der Kelten und Germanen zu den Feierlichkeiten, Zeremonien oder Ritualen, die zu Imbolc verbreitet waren. Mehr und mehr verbreiten sich jedoch Ideen, die eine naturverbundene Spiritualität jenseits der großen Religionen wiederbeleben. Hier kann man sich inspirieren lassen, wie man sich zu Imbolc mit der Zeitqualität dieser Jahreszeit verbinden kann. Solche modernen Rituale können uns bei der Selbstreflexion helfen, wenn wir den Jahreskreis als inneren Kompass für Lebens- und Lernprozesse nutzen. Wir können so auch wieder eine stärkere Naturverbundenheit und Beziehung zur Natur fördern. Hier werden einige Ideen vorgestellt. Wir alle sind eingeladen, solche moderne Rituale für unsere Bedürfnisse und an unsere Vorstellungen anzupassen oder auch eigene zu entwickeln. Das Ritual soll dem Menschen dienen und nicht der Mensch dem Ritual.
- Morgendämmerung: Das Licht ist großzügig
In der Morgendämmerung vor Sonnenaufgang in die Natur gehen und auf den Sonnenaufgang warten. Die Schwellenzeit bewusst wahrnehmen.
🌱 Kannst du bemerken, dass es vor der Dämmerung noch einmal richtig dunkel wird?
🌱 Kannst du die besondere Energie des Anfangs spüren, der noch nicht richtig sichtbar und greifbar ist?
Gehe in der Dunkelheit hinaus und stell dir vor, du bist zum ersten Mal auf dieser Erde und weißt nicht, was Licht ist.
🌱 Wie ist es für dich, wenn du mit diesem Anfängergeist bemerkst, wie das Dunkel aufreißt und lautlos das Mysterium und die Farbe eines neuen Tages anbricht?
Das Licht ist großzügig und es ist sanft. Zart und behutsam streift es den Mantel der Nacht von der Welt.
- Brighids Kreuz – Sonnenkreuz: Die Sonne ins Leben holen
Zu Imbolc werden im Brauchtum Strohfiguren oder Brighids Kreuz geflochten. Das Kreuz ist ein altes keltisches Sonnensymbol. Brighids Sonne wird über die Türschwelle gehängt und beschützt das Haus und seine Bewohner für ein Jahr. Dann wird es verbrannt und ein neues geflochten.
Anleitung etwa hier:
https://www.naturzauberwerke.at/brigid-kreuz
- Reinigung: Vorbereitung für den Neubeginn
Zeit für innere und äußere Reinigung, Aufräumen, Altes loslassen, Befreiung, von dem, was nicht mehr trägt. Wenn wir unbeschwert etwas Neues beginnen wollen, hilft es, sich vorzubereiten und von altem Ballast zu befreien. Auch die Fastenzeit als Form der inneren Reinigung fällt in diesen Zeitraum. Unsere keltischen Vorfahren banden aus Birkenreißig rituelle Birkenbesen zur Reinigung von Haus und Hof.
🌱 Was hindert dich noch daran, unbeschwert etwas Neues zu beginnen?
🌱 Welche Selbstbilder, Konzepte und Meinungen stehen dir noch im Weg?
- Visionssuche und intuitiver Spaziergang
Zeit für neue Pläne, Inspiration und Neuausrichtung oder Bestärkung von Bewährtem. Wenn man etwas schaffen oder erschaffen will, und sei es nur ein anderes, besseres Lebensgefühl, dann braucht es eine klare Vision. Um ins Handeln zu kommen, braucht es Inspiration, einen Traum, eine Idee, eine Vorstellung davon, was man in die Welt bringen möchte.

🌱 Welche Samen, Ideen und Träume schlummern in deinem inneren Raum?
🌱 Welche davon sind bereit, ans Licht zu kommen?
🌱 Was möchtest du in dein Leben holen? Was will Gestalt annehmen und Wirklichkeit werden?
🌱 Was will in diesem neuen Jahreskreis ans Licht, wachsen, erblühen und leben?
Es ist eine günstige Zeit für eine Visionssuche. In der naturbezogenen Prozessbegleitung ist die Visionssuche ein modernes Übergangsritual zur bewussten Gestaltung von Wendepunkten im Leben. Ähnliche Initiationsbräuche sind aus verschiedenen indigenen Kulturen weltweit, aber auch über die Märchen von unseren keltischen und germanischen Vorfahren überliefert. Meist verbringt man mit einer mehrtägigen Vor- und Nachbereitungszeit mehrere Tage (meist vier) fastend und allein im Wald oder anderen Orten in der Natur. Eine Visionssuche folgt in der Regel drei Phasen: dem Aufbruch aus der vertrauten Welt, der Schwellenzeit in der Natur als Zeit der Prüfung und der Rückkehr in die Gemeinschaft mit einer neuen Wahrheit über mich selbst. Diese Struktur orientiert sich an dem von Joseph Campbell aus den alten Geschichten unterschiedlicher Kulturen herausgearbeiteten Grundmotiv einer Held:innenreise. Europäische Märchen, wie Frau Holle, Rotkäppchen, Hänsel und Gretel und viele andere weisen dieselbe Grundstruktur einer solchen Initiation auf.
Eine Visionssuche kann aber auch weniger aufwendig in der Vorbereitung und für einen kürzeren Zeitraum durchgeführt werden. Man kann sich einfach selbst einen Zeitraum bestimmen, in dem man sich mit einer bestimmten Fragestellung auseinandersetzt.
Mache zum Beispiel einen Spaziergang allein in der Natur. Versuche nicht, die ganze Zeit über die Frage nachzudenken, sondern gehe offen durch dein Leben, am besten für einen bestimmten Zeitraum. Mache dir deine Intention bewusst. Es kann Klarheit bringen und kraftvoll sein, deine Frage aufzuschreiben oder laut auszusprechen. Wenn du magst, gehe symbolisch etwa bei einem intuitiven Naturgang über eine Schwelle, einen Ast, einen Durchgang oder Ähnliches. Beobachte die Zeichen, die dir in der Natur begegnen, ein kreischender Vogel, ein besonderes Muster in der Rinde eines Baumes, ein Sonnenstrahl der durch das Blätterdach fällt.
🌱 Was zieht deine Aufmerksamkeit auf sich?
🌱 Was können dir diese Zeichen über dich und deine Fragestellung erzählen?
Die Natur kann ein Spiegel für unsere inneren Vorgänge sein. Denn wir nehmen die Welt nicht so wahr, wie sie ist, sondern so, wie wir sind (alte Weisheit, Herkunft unbekannt). Wir können davon ausgehen, dass das, was wir draußen wahrnehmen, bedeutsam für uns ist. Durch die Psychologie und Neurowissenschaften wissen wir, dass der Mensch nur einen Bruchteil der unzähligen Reize in seiner Umgebung wahrnehmen kann. Wir können daher davon ausgehen, dass das Gehirn aus diesen vielen Reizen das herausfiltert, was für uns wichtig ist. Die Natur kann so eine Projektionsfläche für unsere inneren Vorgänge sein. Antworten in uns, die uns vielleicht noch nicht richtig bewusst waren, können so sichtbar werden.
Achte auf deine Wahrnehmung, deine Gedanken, Ideen und Träume in dieser Zeit. Schließe deine Visionssuche bewusst ab. Wenn du magst, kehre wieder symbolisch über deine Schwelle zurück. Du kannst deine Eindrücke, Erkenntnisse und Erfahrungen aufschreiben, auch wenn sie dir nicht besonders vorkommen mögen. Auch eine Meditation bietet sich zur Integration an.
- Visionboard: Deine Vision konkret und sichtbar machen

Make your VISION so clear, that your fears become irrelevant!
Cygnet Folk Festival, 2020
Ein Visionboard ist eine wunderbare Möglichkeit, deine Vision klar, konkret und sichtbar zu machen. Nach meiner Erfahrung entfaltet das viel Kraft zur Umsetzung. Du kannst immer wieder daraufschauen, dich erinnern und neu ausrichten. Bei der Gestaltung des Visionboards sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Jeder darf seinen ganz eigenen Stil finden. Ich persönlich liebe es, mit Bildern und Text zu arbeiten. Ich stöbere in Zeitschriften und Fotos und lasse mich intuitiv im Schaffensprozess davon überraschen, was mich anzieht und Resonanz in mir hat. Dieser Prozess ist wunderschön und geht oft über mehrere Tage. Manchmal spüre ich Freude und Inspiration. Manchmal merke ich Ängste oder Unbehagen, eine neue Wahrheit über mich und meine Träume anzuerkennen. Die Bilder und Texte ordne ich für mich im Jahreskreis. Dabei orientiere ich mich auch an den vier Schilden der menschlichen Entwicklung nach Steven Foster und Meredith Little (Foster, Steven / Little, Meredith: Die vier Schilde):
🌱 Osten / Frühling / Inspiration und Spiritualität / Sterben und Neubeginn
🌱 Süden / Sommer / Körper, Fühlen und Tun / Kind sein
🌱 Westen / Herbst / Reflexion, Herausforderung und Wachstum / Jugend
🌱 Norden / Winter / Verantwortung und Gemeinschaft / Erwachsen sein
- Kerzen und Freudenfeuer: Das Licht feiern
Zünde weiße Kerzen an, ein Feuer, oder segne eine Schutzkerze mit deinen Wünschen für das Jahr. Besonders wirkungsvoll ist dies in einer dunklen Nacht. Bei meinen Soloübernachtungen draußen alleine habe ich immer wieder die kraftvolle Erfahrung machen dürfen, dass ein Licht oder Feuer in der dunklen Nacht unmittelbar spürbar Sicherheit und Zuversicht vermittelt (siehe hierzu meine Beiträge https://wildesleben.blog/wurzeln-wandel-und-ortsverbundenheit/ und https://wildesleben.blog/alone-draussen-schlafen/).

Mögen wir im dunklen Winterraum, im Verborgenen Samen und Visionen empfangen und nähren, die nun ans Licht, in die Verwirklichung wollen. Möge die Kraft der Inspiration und Veränderung uns tragen.
„Tell me, what else should I have done. Doesn’t everything die at last and too soon. Tell me what is it that you plan to do with your one wild and precious life?”
Mary Oliver
Quellen
Kaiser, Martina: Der Jahreskreis; Storl, Wolf Dieter, Pflanzen der Kelten; Das Buch der keltischen Mythen, Von Göttern, Kriegern, Feen und Druiden; O'Donohue, John: Anam Cara, Das Buch der keltischen Weisheit; Wikipedia: Default Mode Network, Abruf zuletzt am 31.01.2026; Wikipedia: Phasen des kreativen Prozesses, Abruf zuletzt am 31.01.2026; Campell, Joseph: Der Heros in tausend Gestalten; Foster, Steven / Little, Meredith: Visionssuche, Das Raunen des heiligen Flusses; Seghezzi, Ursula: Naturmystik - Vom Zauber der Naturmystik und der Dringlichkeit, dem Leben zu dienen; Foster, Steven / Little, Meredith: Die vier Schilde.
